Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 2 (November 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-11-01
- Page
- 48 (sequence 7)
- Language
- German
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48 Risses verlangst widerspricht unserer innersten Ueberzeugung und diese kvnnen wir selbst deinem Wunschenicht zum Opfer zu:bringen." ״Meine Sohne! -- meine Söhne!" wimmerte der Kranke, ״laßt mich nicht in Verzweiflung sterben!" ״Versprich du es, Jakob," bat die Mutter, ״du bist ja sonst nicht so mitleidlos." Jakob war in der That nicht ungerührt geblieben. Er war der am wenigsten harte, aber auch der schwächste unter den Brüdern; doch war er seiner Schwäche sich bewußt und schämte sich ihrer und strebte in Allem den andern es gleich zu thun. So kam es, daß er manche bessere Regung seines Innern als Schwäche verdammte. Allein mit ihm konnte man manches von ihm erlangen, mit den Brüdern zusammen war er unbeugsam hart wie sie. Auch jetzt war er nicht im Stande, ruhig des Vaters Leiden zuzuschauen. ״Wenn es lieber Vater dir Beruhigung — " begann er mit unsicherer leiser Stimme. Da aber begegnete sein Auge dem Kopfschütteln seines jüngern Bruders, ״Schwachkopf" horte er den altern spotten und das Gclöbuiß, das er im Begriffe war dem Kranken zu steiften, erstarb ihm auf seinen Lippen. — ״Wenn Philipp und Louis nicht wollen, was nützt cs wenn ich es verspräche", bernhigte er sein pochendes Gewissen. Das Aechzen des Kranken wurde immer herzzerreißender, er wandte sich in unsäglichen Qualen. Bald klagte er um sein Leben als ein «'verfehltes, verlorenes, bald jammerte er nach seiner fernen Tochter, und dann beschwor er wieder die Sohne in den erschütterndsie» Worten, ihm das Versprechen, ohne das er nicht sterben könne, nicht vorzuenthalten — Umsonst — Die Mutter in Verzweiflung, aufgelöst in Thränen, warf sich zu den Füßen ihres Erstgeborenen, denn er war doch die Seele des brüderlichen Kleeblattes. Unwillig riß Philipp sie empor. ״Aber Mama, sei doch nicht kindisch, es widerstrebt nun einmal meinem Charakter, zu versprechen, was ich zu halten nicht willens bin. Du solltest dich freuen, daß ich so männlich empfinde." ״Liebe Mama," bat Louis, ״suche doch dem Papa diese intolerante Idee auszureden, es schmerzt mich in der That sehr seinem Wunsche nicht entsprechen zu können, aber es ist mir unmöglich gegen meine Ueberzeugung zu handeln."