Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-10-01
- Page
- 29 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 29 Und nun nochmal leben Sie Wohl und kommen Sie bald. Es wünscht Ihnen eine recht glückliche Reise Ihr ergebenster Friedheim," Todesfarbe hatte Rosa's Wangen überzogen, sie fuhr mit der Hand nach dem Herzen, es war ihr als stände es stille. Die andere Hand glitt hernieder, krampfhaft das Schreiben umschließend — sie wankte — Erschrocken sprang Edmund auf und wollte sie halten. ״Um des Himmelswillen Mama, was ist dir?" ״Nichts Kind, aber wir müssen abreisen, gleich." Ihre sonst so metallrciche Stimme klang völlig tonlos, ihre hohe Gestalt schien unter der Wucht des Schmerzes sich zu krümmen, denn sie glaubte überzeugt sein zu können, nur wirkliche Gefahr habe Friedheim veranlaßt ihr so zu schreiben, aus jeder Zeile schien seine Angst ihr zu sprechen. Aber dennoch bewahrte sie ihre Ruhe und Ueberlegung, sie mußte fort, und unverzüglich, aber auch für ihre kranke Schwägerin mußte sie zuvor sorgen. Sie begab sich zu Jda, theilte ihr Alles mit, ersuchte sie, während sie selbst mit Edmund nach B. zu ihren Eltern eile, sich nach H. ihrem eigenen Wohnorte zu begeben, wo Viktor und die jungeren Kinder mit offenen Armen sie empfangen würden. ״Und da ich nun jedenfalls anch mit Philipp zusammen komme, so werde ich selbst über deine Angelegenheit mit ihm sprechen und ich hoffe Deine Kleine dir mit zurückzubringen." Rosa schlug vor bis zur nächsten Eisenbahnstation zusammenzureisen. Jda war mit Allem einverstanden und während die Damen die Effekten in die Koffer packten, eilte Edmund einen Wagen zu besorgen. Wenige Stunden darauf befanden sie sich auf dem Wege. (Fortsetzung folgt.)