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Jeschurun · 1866-10-01 · Heft 1 (Oktober 1866) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
13 (1866-1867)
Issue
Heft 1 (Oktober 1866)
Article
Die deutsch-israelitische Gemeinde in Hamburg
Date
1866-10-01
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Die deutsch-isr. Gemeinde in Hamburg. 18 nen, eigenthümlichen sogenannten ״Kehillalebens" zu erlangen. Keine Epoche aber kann ihre Zählung mit Anno 1 beginnen, eine jede — sei 'sie auch noch so verschieden von der vorangegangenen -- ist doch nur ein Produkt der früheren und aus unseren Bestrebungen kann nur dann Heil und Segen für die Gegenwart und Zukunft erblühcn, wenn die Vergangenheit richtig erkannt und gewürdigt wird. Historia magistra — das gilt nicht nur für die großen Verhältnisse der Staaten, das gilt auch für die kleineren einer Gemeinde. Wie es sich bitter rächt, wenn das Staatslebcn ohne gerechte Berückstchtigung der aus der Vergangenheit sich entwickelten Zustände und Eigenthümlichkeitcn umgestaltet werden soll, ebenso ist es ein verderbliches Unterfangen ein Gemeinwesen in neue Bahnen zu lenken, ohne die auf historischer Grundlage beruhenden Verhältnisse erkannt zu haben und zu berücksichtigen. Im Grunde verändern sich ja die Menschen und die von Menschen gebildeten Vereinigungen nicht so wesentlich, daß ganz andere Ziele angestrebt, ganz andere Bedingungen zu ihrer Eristenz geschaffen werden müßten. Aeußere Gestaltungen erheischen wohl eine Vcränderung, daS Lebensprincip der Individuen und Corporatioueu ist aber unveränderlich. Hiergegen ist in jüdischen Kreisen der Gegenwart vielfach gesündigt worden. Mit der theilweisen oder gänzlichcn Befreiung von dem mittelalterlichen Drucke, unter welchem die Juden in staatsbürgerlicher Hinsicht seufzten, glauben Viele das Einzel- und Gemetndeleben so gänzlich aus den Fugen gerathen, daß ein ganz neues Gesetz für das jüdische Einzel- und Gemeindeleben nothwendig geworden wäre und vermeinen der emancipirte Jude und die emancipirte Gemeinde sei ein ganz neues Individuum mit wesentlich verschiedenem Lebensorgantsmuö. Und cs haben sich ja doch lediglich die äußeren Verhältnisse des Juden und der Gemeinde verändert; der Jude selbst und die Gemeinde sind in ihrer Eigenthümlichkeit dieselben geblieben; — sie haben die gleiche Bestimmung zu erfüllen, dieselben Ziele zu verwirklichen wie in den finstersten Zeiten der Bedrückung. Wenn die Aufgabe einer jüdischen Gemeinde in der Psiege der Lehre, des Gottesdienstes und der Wohlthätigkeit zu suchen ist und eine Gemeindeorganisation um so gesünder ist, je mehr jedes einzelne Individuum in der Gemeinde berücksichtigt und zum selbstthätigcu Wirken an der großen gemeinsamen Aufgabe angehalten wird, so

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