Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 13 (1866-1867)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1866)
- Article
- Die fünfzehn altjüdischen "Aufwärts"-Lieder
- Date
- 1866-10-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 1. Die Klage.; Larve der Unwahrheit den Schein der Berechtigung, somit der Dauer und des Bestandes andichten zu können fühlt. Wann und wo immer man nicht gewagt, Verhältnisse und Zustände, Ansichten und Bestre-- düngen in ihrem wahren Lichte erscheinen und mit ihrem wahren Namen nennen zu lassen, wo und wann immer die ewigen großen Begriffe und Grundsätze des Sittengesetzes, in denen allein das individuelle und sociale Hei! seinen sichern Boden zu finden vermag, zu hohlen Vignetten herabgewürdigt worden sind, um unter deren Reklame die entgegengesetzten Zustände und Bestrebungen der socialen Welt anzupreisen, dann und da hat immer der denkende Mensch ein Bekenntniß der Ohnmacht des Unsittlichen erblickt, hat die Täuschung selber als eine Huldigung begriffen, die das unberechtigte zukunftlose Unedle und Unlautere dem Reinen und Guten dargebracht, das allein Berechtigung aus Erden hat, und dem allein der Sieg und die ßufmift gewiß ist. Dem Sänger ist daher die sociale Lüge gleichbedeutend mit dem socialen Krieg, und er kennt nur eine Basis des socialen Friedens: die sociale Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Wo die ״Lippe", nach jüdischer Sprachanschauung, das ganze Rede-Vermögen, nicht im Dienste der Wahrheit steht, und die ״Zunge", das einzelne gesprochene Wort nur ״Remija" ist, nur um so mehr Verderben bringt, je mehr man ihm vertraut — bezeichnet ja ״rama" die Kunst des Schleudcrers, der erst den Stein auf seiner Hand in ״Ruhe wiegt" um ihn dann um so sicherer fortzuschleudern — da sollen Wort und Rede Verhältnisse sichern, die in ihrem Gegensatz zu dem Sittengesetz unrettbar den Keim des Untergangs in sich tragen. Der männliche Muth jedoch, der es wagt die Sprache der Wahrheit zu führen, der wird, als unbequemer Störenfried geächtet, zu den Beduinen fiüchten müssen, und er ist es doch allein, dessen Wort ein Wort des Friedens ist, da es der socialen Welt Zustände bringen möchte, ׳die in der Harmonie mit den ewigen Anforderungen des sittlich Rechten und Guten die einzige Gewähr für Bestand und dauerndes Heil darbieten, die menschliche Zustände überhaupt auf Erden zu finden vermögen. ״Was wird es dir geben und was dir mehren, trügerische Zunge!" apostrophirt daher der altjüdische Sänger das System der Täuschung, das ihn aus seiner socialen Zeit genossenschaft anekelt, 2*