Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 11-12 (August 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-08-01
- Page
- 402 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Risse. beim Ab nehmen der Hüte und Shawls behülflich zu sein, was ihm freilich nicht recht gelingen wollte. Die Damen waren aber in der That überrascht, von dem freundlichcn behaglichen Anblick, den das Zimmer bot. Munter brodelte das Wasser in dem Kessel und aus der daneben stehenden Kanne stieg ein feiner Dampf, der in der Nähe ein angenehmes Aroma bot. ״Das hast Du hübsch gemacht, mein kleiner Wirthschafter," lobte Rosa, ״die Luft ist Abends schon so raub, daß die Aussicht, rasch eine Tasse Thce zu bekommen, mich schon im Voraus erwärmt." ״Habe ich Dir's recht gemacht Mama?" rief freudig der Knabe, ״ich habe mir gedacht, daß der Tbee Dir gut sein wurde Mama, denn Du warst draußen am Strande so blaß, aber jetzt hast Du Deine gewöhnliche Farbe schon wieder bekommen, das ist schön." ״Ich glaube wirklich der Herr Sausewind will sich als Arzt geriren," bemerkte Jda lächelnd. ״Ich will ja Medici!! ftudiren, Tante, und darum verordcne ich auch Dir eine Tasse von meinem selbstgebrauteu Thee. Der wird Dir vortrefflich bekommen, ist in der That etwas ganz Apartes, denn noch kann sich kein Menschenkind rühmen, etwas genossen zu haben was ich bereitet." ״Aber ich fürchte, auch wir werden uns dessen nicht rühmen können," cntgcgnete Rosa lachend, denn sie hatte sich inzwischen am Tische niedergelassen und versuchte den vielbelobten Thee in die Taffen zu leeren, aber nur wenig Tropfen rieselten langsam heraus. ״Das begreife ich nicht," lief. Edmund, ״ich habe doch die ganze Kanne vollgegossen, vielleicht wird die Röhre verstopft sein." Aber Rosa hatte bereits den Deckel geöffnet und zeigte den Blicken des erstaunten Knaben die Kanne zwar voll, aber von Blätkern; er hatte sie bis über die Hälfte mit dem trockenen Thee angefüllt und alles Wasser, das er darüber gegossen, hatte dieser an sich gezogen. Beide Damen lachten herzlich. ״Ich habe es gut gemeint," betheuerte Edmund, ״und ihr müßt meinen guten Willen für die That nehmen. Aber ich habe heute entschieden Pech, meine besten Absichten werden zu Wasser." ״Das kannst Du von Deinem Thee gerade nicht sagen," vcrsetzte die Mutter indem sie die Kanne halb ansleerte und das Feh-