Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 11-12 (August 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-08-01
- Page
- 399 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Von S... 399 Dunkele Rothe überzog das freie, offene Antlitz des Knaben, als er den Ängstruf seiner Mutter vernahm; hatte er soeben, im ersten Schreckest sich nicht zu rathen gewußt, so hatte der Schreck seiner Mutter ״ihm seinen Muth vollständig zurückgegeben, und ohne sich länger zu besinnen, sprang er in's Wasser, eilte dem Strand zu und war in wenigen Augenblicken in Sicherheit.- — Lauter Beisallrus empfing den frischen Knaben, als er das Trockene erreicht, er aber hatte für nichts anderes Sinn als für seine Mutter, deren Hände er mit Küssen bedeckte. ״Du, bist so blaß Mama, Du zitterst, Du hast Dich um meiuetwtllen geängstigt, o verzeih' mir, es schmerzt mich so sehr Dich beunruhigt zu haben." Rosa drückte einen Kuß auf seine Stirn; ״Gottlob, daß ich Dich unversehrt in meinen Armen halte." ״Und Du verzeihst mir Mama, Du zürnst mir nicht?" ״Wenn Du Dich nur nie wieder in solche Gefahr begibst." ״Nie wieder Mama, das verspreche ich Dir. Aber ich versichere Dich, auch dieses Mal geschah es ganz ohne mein Verschulden. Ich hielt mich immer hart am Wasser, und hatte keine Ahnung, daß es mich umringen konnte. Anfangs sah ich einem Fischer zu, der dort Fische sing, aber denke Dir nur Mama, nicht mit Netz oder Angel, sondern mit' einer großen Heugabel, womit er den Boden umwühlte und dadurch Massen kleiner Fische an's Tageslicht brachte. Ach, Mama, das hättest Du sehen sollen." Und der lebhafte Knabe, der der Gefahr, der er so eben entrönnen, schon nicht mehr gedachte, wollte sich in eine genaue Beschpeibung dieser Art von Fischfang ergehen. Rosa unterbrach ihn lächelnd. ״Das Alles sollst Du mir Abends erzählen liebes Kind —" ״Ja, ja, Mama, und dann mußt Du meine Muscheln sehen, ich habe so wunderschöne gefunden, ganz seltsam geformte Schneckenmuscheln und ein großes Stück Bernstein." ״Alles will ich dann bewundern, aber jetzt eile Edmund, Du bist ja ganz durchnäßt, hier hast Du den Schlüssel, laufe nach Hause und ziehe Dir trockene Kleider an." ״Uud Du bist mir nicht mehr böse, liebe Mama, Du zürnst mir ganz gewiß nicht?"