Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 11-12 (August 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-08-01
- Page
- 398 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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erblickte — Und dann diese Massen schimmernder Muscheln und alle die Schlingpflanzen und die vielen eigenthümlichen, zum Theil durchsschttgen Secthiere zu beiden Seiten unseres Wagens — Und als es dann dunkelte und der Mond anfstteg, am Himmel und im Wasser, o es war wunderbar herrlich, und doch auch schauerlich, vorzüglich wenn man bedachte, daß jede Verzögerung das Leben gefährden konnte, denn wen die Fluth an dieser Stelle ereilte, der wäre unrettbar verloren. Und nur ganz langsam, nur im Schritt, kann man im Wasser dort fahren, und wenn nun die Pferde einmal strauchelten, oder gar die Are bräche ■— kalter Schweiß überlief mich bei solchen Vorstellungen und gleich darauf müßte ich doch wieder laut aufjauchzen über alle die Herrlichkeiten, die mein Auge erblickte. Aber mein Gott, wo bleibt Edmund?" unterbrach ste plotzlich sich selbst, in einer,halben Stunde versprach er hier bei uns zu sein und' ich glaube es ist seitdem beinahe schon eine Stünde vergangen." ״Du brauchst Dich doch um Edmund Nicht zu ängstigen," beruhtgte Jda, ״er ist ja ein besonnener Knabe, wahrscheinlich hat er im Muschelsuchen sich vertieft."; ״Er ist doch sonst so pünktlich." ״Laß uns ihm entgegengehen, ich glaube er hat sich nach jener Sette gewendet." Die Damen erhoben sich, unruhig schweiften Rosa's Augen über den mit Spaziergängern bedeckten Strand, sie sah ihren Sohn nicht unter ihnen. Gern hätte sie ihre Schritte beschleunigt, aber sie fürch: tete ihre leidende Schwägerin zu ermüden. Jda bemerkte es, und mit Aufbietung all', ihrer schwachen Kräfte, eilte sie an der Seite der besorgt umherspähenden Mutter vorwärts. Sie waren noch nicht weit als eine Gruppe Spaziergänger, hart am Rande des Wassers ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Alle blickten seewärts, Rosa's Augen folgten ihnen, und ein Ausruf des Schreckens entfuhr ihren Lippen, als sie ungefähr fünf Ellen weit im Meere, aus einer schmalen Sandbank ihren Edmund erblickte. Der Knabe hatte zur Zeit der Ebbe, Muscheln suchend sich dorthin begeben, ohne zu bemerken, daß er eine Sandbank bestiegen hatte, die während der Fluth stets vom Wasser bedeckt war. Die Fluth stieg, die See hatte die Sand- Hank bereits umfpült, ehe der junge Mufchelltebhaber es bemerkte.'