Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 11-12 (August 1866)
- Article
- Jüdische Kalender-Phantasien
- Date
- 1866-08-01
- Page
- 355 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Kalender-Phantasien. 355 Ganz so wie Israels Sendung nur das einzige Ziel kennt: den verscherzten Sabbath der Gesammtmeuschheit wieder zu dringen. Gott aber sabbathlich als Weltenschöpfer verherrlichen, das eigene Leben aber nicht als sein Geschöpf und Diener mit allen denkenden und und empfindenden, genießenden und thatvollbringenden Momenten ausschließlich in feinem Dienste vollenden, nicht unablässig mit allen verliehenen Kräften, in allen gegebenen Gestaltungen zur Höhe und Reinheit dieses Dienstes emporarbeiten, Gott die Welt, aber nicht das eigene Herz, den eigenen Geist, das eigene Leben und das eigene Geschick gestalte» und regieren lassen, heißt mit dem Leben und in der Thai verleugnen, was die Lippe mit Gedankenlarven heuchelt. Der Jude zählt daher in Wahrheit nur seine Sabbath-Wochen und Mondeskreise, in ihnen vollendet er seine Welt, was er in ihnen zählt sind seine Tage, die Lösung seiner Bestimmung, die Bedeutung seines Daseins, unbekümmert zunächst darum, ob er mit dieser Zählung seiner Sabbath- und Mondkreise Hintergern Ent- Wickelungs-Jahr des Erdlebens scheinbar zurückbleibe. Seine sittliche Aufgabe als Mensch und Jude ist nicht auf das mathematisch gebundene Jrtonsrad des physischen Erdumlaufs geflochten. Er hat seine Aufgabe zu lösen auch wenn ihm kein Saatfeld grünt, kein Baum ihm seine Früchte reift und er keinen Anthetl hat an den Erndten der Erde, ja, wenn er auch um dieser Ausgabe willen scheinbar aller dieser Erndten verlustig ginge. Und doch ist dieses Zurückbleiben nur scheinbar, und doch ist zwischen dem physischen Erdleben und der sittlichen jüdischen Menschenausgabe keine Kluft, und doch ist es derselbe Gott und dasselbe Gesetz, das dort das Entwickelungsleben der Endzeit regelt und hier das Menschen- und Volks-Leben des Juden regeln will, und doch bedingt und erringt die Erfüllung seines göttlichen Sittengesetzes dem Juden die höchste Blüthe der physischen Erdentwickelung; er bleibt nur scheinbar und zeitweilig zurück. In großen Kreisen holt das jüdische sittliche Jahr das phyfische Erdenjahr ein, und er feiert seine geschichtliche Auferstehung im Auserstehungsmonat des neuerwachten Lenzes, empfängt seine Gesetzesretfe wenn an dem Baume die Erstlingsfrüchte prangen, und feiert seine geschichtliche leibliche und geistige Nationalerhaltung wenn die Erde dem harrenden Menschen die Frtstung seines Daseins für 23»