Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-07-01
- Page
- 339 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 339 ״Papa," rief Philipp, indem er sich loszuwtnden versuchte, ״ich bin kein Kind mehr und bin nicht gesonnen, Deinen veralteten Aberglauben als Richtschnur mir zu nehmen, ich bin schon alt genug, selbst für mein Seelenheil zu sorgen." Es war ihm gelungen, eine Hand frei zu machen und wie zum Hohn trommelte er auf die Tasten. Der Vater aber, alle seine Manneskraft zusammenraffend, umfaßte den ungerathenen Sohn, hob ihn vom Sessel und schob ihn zur Thür. ״Bube," knirschte er vor Wuth, der Sprache kaum mächtig ״so sorge denn für Dein Seelenheil, aber sorge auch für Dein irdisches; denn wenn Du noch ein einziges Mal es wagst, unscre heiligen Gesetze zu übertreten, so stoße ich Dich aus dem Hause, sage mich von Dir los und Du erhältst keinen Heller von mir." Aufgeregten Schrittes durchmaß er das Gemach, zu viel stürmte auf ihn ein. ״Mein Gott, mein Gott, warum prüfst Du mich so schwer?" — Er preßte die Hand auf's Herz, er vermochte kaum zu athmen, er riß den Rock auf als könne es ihm dadurch leichter werden, als belaste ein äußerer Druck die so schwer sich hebende Brust — dann warf er sich auf einen Sessel und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. So fand ihn seine Frau, schüchtern blieb sie einige Augenblicke vor ihm stehen, ohne zu wagen ihn anzurcden. Sie hatte ihre Toileite geändert, ihr Haar war wieder verhüllt wie ehedem. ״Schwarz," begann sie endlich mit bebender Stimme und nahm eine seiner Hände in die ihre, ״verzeihe mir und auch ihm, denn ganz gewiß wurde er durch mein Beispiel mißleitet." Schwarz stand auf und küßte sie auf die Stirn, zu sprechen vermochte er noch nicht. Mehrere Tage verstrichen, die Ruhe in der Familie schien wieder hergestellt. ״Sie wünschen mit mir zn sprechen, Herr Friedheim? Ich stehe zu Befehl."