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Jeschurun · 1866-07-01 · Heft 10 (Juli 1866) · p. 338

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1865-1866)
Issue
Heft 10 (Juli 1866)
Article
Risse
Date
1866-07-01
Page
338 (sequence 9)
Language
German
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338 Risse. hatte sich so lange und so sehr nach der Wiedervereinigung mit seiner Familie gesehnt und nun — Doch wie zog sich ihm das Herz zusammen, als er am Abend aus der Synagoge hetmkehrte und die Gattin ihm mit ganz unbedeckten! Haar entgegentrat, er war kaum im Stande seine Ruhe zu wahren und nur die Gegenwart seiner Kinder und des Lehrers zwang ihn dazu. Er legte seine Hände segnend auf die Häupter seiner Kinder, aber seine Hände bebten. Man ging zu Tische, er sprach den Segenssprüch über den Wein zu Ehren des Sabbath; seine Stimme klang seltsam heiser und es war ihm nicht möglich am Mahle Theil zu nehmen. Er schützte Ermüdung vor und zog sich zeitig zurück. Seine Frau wagte nicht, seinen Blicken zu begegnen, es schmerzte sie in der That, ihn leiden zu sehen und er litt wirklich, aber sie redete sich ein, ihre Ehre heische es, der . nun einmal ausgesprochenen Ueberzeugung treu zu bleiben und Philipps Blicke spendeten ihr Beifall und Aufmunterung. Als sie am folgenden Morgen eben ihre Toilette beendet hatte, trat ihr Gatte nochmals vor sie hin und bat sie in den beredesten Ausdrücken, nicht ihn und sich selbst unglücklich zu machen und ihr häusliches Glück mnthwillig zu untergraben — umsonst; seine Frau blieb fest. Er gerieth außer sich, ״Marianne," rief er, ״bis jetzt habe ich nur gebeten, aber wenn es sein muß, weiß ich auch zu befehlen." ״Du wagst es mir zu drohen." ״Du zwingst mich dazu, bedenke doch, welches Beispiel Du Deinen Kindern giebst, bedenke —״ Heitere Klänge des Piano'S, die aus dem Wohnzimmer herüber drangen, unterbrachen ist. ״Was ist das?" schrie er vor Zorn erglühend, ״wer wagt es, am Sabbath in meinem Hause Clavier zu spielen." Er stürzte hinaus, Marianne ihm nach. Vor dem geöffneten Flügel saß Philipp und seine Finger glitten munter über die Tasten. ״Halt ein!" schrie der Vater ihm entgegen, ״weißt Du nicht, daß heute Sabbath ist " ״Freilich weiß ich das," versetzte Philipp, ohne sein Spiel, zu unterbrechen, ״aber die Rabbinerversammlung hat ja.—" ״Hör' auf!" schrie der Vater und ergriff seine beiden Hände, es so ihm unmöglich machend, das Instrument weiter zu handhaben.

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