Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-07-01
- Page
- 336 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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336 Risse. ,,Dein eigenes Haar unverhüllt!" ״Wie es mir des Schöpfers eigene milde Hand als schönsten Schmuck verliehen." Ihr Gatte glaubte seinen Ohren, nicht trauen zu dürfen; noch nie Hatte er eine derartige Redensweise von seiner schlichten Frau vernommen. 5! ״Geh hinaus Philipp," herrschte er dem Sohne zu, der mit dem lebhaftesten Interesse dem Gespräche zu lauschen schien., ,Philipp zögerte, er wäre gar zu gern geblieben, aber der Vater sprang auf, . ״hast Du nicht gehört, was ich Dir geheißen?" Jetzt mußte er sich doch wohl entfernen. «•׳: Die Gatten. waren allein; Mariannen pochte das Herz, sie raffte allen Mnth zusammen und alle die Sentenzen, die ihr in der Ünterrehung mit dem Doktor N. so sehr imponirt hatten. Durch diese hoffte sie den aufgeregten Mann zu besänftigen, an ein Nachgeben ihrerseits dachte sie nicht mehr. Schwarz schwieg einige Augenblicke; er war augenscheinlich bemüht, sich gewaltsam zu mäßigen. ״Marianne," begann er dann, ״ich habe Philipp hinansgcschickt, weil ich Dich in seiner Gegenwart nicht fragen wollte, Ms Du-eigentlich faselst." ״Wasich fasele? Himmel, welcher Ausdrücke bedienst Du Dich gegen mich und ist es denn etwa nicht wahr, hat denn nicht des Schöpfers eigene milde —"; ״Aber zum Kuckuk! so sage mir doch endlich gerade heraus, was.Mllt Dir denn mit einem Malerin? Mehr als zwanzig Jahr!-hast Du -Dein Haar verhüllt wie es unsere heiligen Gesetze der jü-;-,hischen Frau vorschreiben und ,nun plötzlich überfällt Dich der Dämon der Eitelkeit und das in Deinem.Alter." ״ ■■■-,־ידWas kümmert Dich mein Alter,", fiel Frau Schwarz gereizt ein, j,Doftor N. wollte durchaus nicht glauben, daß ich die Mitte der Zwanziger schon erreicht." , , ״Doktor N., welcher Doktor N.?" ״Du kennst den Doktor N,, nicht?den hochgelehrten Rabbiner und Prediger in N. nicht? ,,er stellte sich mir doch als Jugendfreund und Studiengenoffe von Dir vor." ״Ja ja, schon gut, aber was willst Du von dem Doktor N.?" Diese Frage kam seiner Frau sehr erwünscht; sie konnte nun