Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-07-01
- Page
- 334 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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334 ' Risse. nungen geordnet, mit denen sie seine Einwendungen zu widerlegen beasichtigte, doch als die Stunde nun gekommen, als sie seine Stimme vernommen, da sank ihr der Muth und sie hätte viel darum gege- -en, hätte sie die verabscheute Haartour rasch aufstülpen können. Aber hiezu war eS bereits zu spät, schon horte sic auf der Stiege die ihr so wohl bekannten Schritte; rasch entschlossen griff sie nach einer Haube, um die Veränderung ihrer Coiffure so wenig als mögltch in die Augen fallen zu machen; dann trat sie hinaus. Mit inniger Herzlichkeit drückte der Heimkehrende sie an die Brust, er mußte so oft fern von den Seinen weilen und empfand daher doppelt das Glück, sie Alle frisch und wohl zu treffen. ״Die Kinder sind wohl in der Schule, aber wo ist denn Rosa?" ״Drinnen im Wohnzimmer; Viktor ist bei ihr," erwiedcrte Philipp und gedachte jetzt gleich leine Anklage vorzubringen; aber die Eltern hatten schon die Thüre geöffnet, der Vater hatte schon das Brautpaar umarmt. ״Es ist auch besser, ich warte noch ein wenig, bis Papa mehr Muße hat mir zuzuhören," tröstete sich Philipp. Rosa war kaum im Stande ihre Bewegung zu bemetstern; ihr Vater bemerkte es und besorgt ruhte sein Auge auf ihr; aber sie vermied seinen Blick, fortwährend fürchtete sie, er möge Las unverhüllte Haar der Mutter bemerken, und unangenehme Erörterungen möchten sich zwischen den Eltern entspinnen. Die außerordentliche Kurzsichtigkeit ihres Vaters ließ diese Besorgniß jedoch für's erste als grundlos erscheinen. Herr Schwarz befand sich in der heitersten Stimmung; seit Wochen hatte er sich nach diesem Augenblick gesehnt und nun schien er auch die ganze Wonne desselben zu empfinden. Die Zeit verstrich im Fluge. Mittag nahte bereits, Viktor wollte sich empfehlen, der glückliche Vater ließ ihn heute nicht fort, er mußte theilnehmen an ihrem Tische. Vorher War es ihm jedoch noch gelungen, ein paar Augenblicke, in denen er mit seinem Schwiegervater sich allein sah, zu nützen und diesen in wenigen Worten mit seinen Verhältnissen in H. bekannt zu machen. Der Vater drückte ihm die Hand. ״Du hast als wackerer edler Mann gehandelt, lieber Viktor, doch möchte ich Dich sehr bitten, tu Zukunft auch den Schein etwas mehr wahren zu wollen." ״Sind Sie unzufrieden mit mir? 0 das thut mir leid."