Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 7 (April 1866)
- Article
- Risse
- Date
- 1866-04-01
- Page
- 233 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S.., 233 mischen; nicht den unschuldigsten Scherz gönnt sie den Kindern; m ihrer Gegenwart erstirbt auch mir jeder Scherz auf den Lippen, und es ist mir als ob mich jemand zurückhielte, meiner Laune den Zügel schießen zu lassen." : Die Mutter errvthetc, denn auch sie übcrkam zuweilen ein ähnliches Gefühl in ihrer Tochter Gegenwart; doch war sie eben im Begriff, ihrem Sohne zu widersprechen, als Besuch gemeldet ward. — Frau Schwarz befahl, ihn in's Empfangszimmer zu führen, und begab sich selbst, von ihrem Sohne begleitet, dorthin. Ein hochgewachsener Herr in elegantem schwarzem Anzug trat ihr, sich tief verneigend, entgegen. ״Habe ich die Ehre die Dame des Hauses Frau Schwarz zu begrüßen?" fragte er mit einem fast zu starkem aber klangvollem Organe. Frau Schwarz bejahte, bat ihn sich zu sehen, und ihr seinen Namen zu nennen. ״Mein Name dürfte ihnen wohl nicht unbekannt sein," erwiederie der Fremde in demselben vollen Tone, ״ich bin Doetor N. Rabbiner und Prediger in N. und habe ans der Durchreise meinen alten Freund und ehemaligen Studiengenoffen Schwarz umarmen wollen." ״Mein Mann wird cs unendlich bedauern, einen so werthen Besuch versäumt zu haben; aber er ist schon seit einiger Zeit abwesend und erwarte ich ihn nicht vor Ende dieser Woche." ,-So habe ich zu'meinem größten Leidwesen vernommen/verehrte Dame, und labe ich mir daher erlaubt, der Frau Gemahlin meines Freundes mich vorzustcllen, und sie zu ersuchen, meine wärmsten Grüße ihm aüsrtchten zu wollen." Frau Schwarz versprach es und die Unterhaltung war bald ti» Gange. Auch Philipp betheiligte sich daran. ״Wohl ein Herr Bruder von Ihne»,!׳erehrnngswürdige Dame?" fragte der Doetor auf den jungen Schwarz deutend. ״O nicht doch" entgegncte die Mutter lächelnd, ״das ist ja mein ältester Sohn." ״Nicht möglich!" rief Doetor N. den Kopf schüttelnd, ״Sie wollen meiner spotten; der Sohn kan» doch nicht älter als die Mütter sein, und dieser junge Mann hat doch die Mitte der zwan-