Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1865-1866)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1865)
- Article
- Die Verjudung des christlichen Staates [Rezension]
- Date
- 1865-10-01
- Page
- 26 (sequence 8)
- Language
- German
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26 Die Äerjudung des christlichen Staates. nichtung Werthes erkennt, nun und nimmer mehr durch 2 Jahrtausende hindurch ohne irgendwelche äußere Hülssmtttel bestehen kann; Sie haben auch gefühlt, daß eine Nation, die lebenskräftig und lebensfrisch durch die Zeiten schreitet, doch irgend wie in einem idealen Boden wurzeln muß. Und deßhalb machen Sie unser Leben, das all' Ihren Tand in seiner vollen Nichtigkeit erkennen läßt, zu einem Scheinleben; wir dürfen nicht leben, sondern nur vegetiren. Freilich versuchen Sie gar nicht einmal Beweise dafür zu bringen, freilich spricht die Furcht, die Sie vor einer Verjudung des Staates haben, immerhin dafür, daß Sie dem Judenthume selbst im Grunde Ihres Herzens eine über das bloße Vegetiren hinausreichende Lebenskraft Zutrauen; freilich — indeß, was weiter, es waren doch keine Windmühlen, sondern Riesen, sagt Ihr großer Vorgänger. — Ja wohl, Ihr Vorgänger, denn es ist im Grunde der ganze Kampf, den Ihr Merkchen führt, ein Kampf gegen Windmühlen. An dem großen Streben unserer Zeit nach Verwirklichung des Rechtes für Alle, nach möglichster Aufhebung nationaler Schranken und ständischer Privilegten, an jenem Bemühen, an die Stelle deS falschen Patriotismus, der nothwendig zur Einseitigkeit führt, den Kosmopvlitismus zu setzen, der mit wahrer und achter Vaterlandsliebe sich so wohl verträgt, an ihnen nehmen und nehmen die Juden von jeher den regsten Anthetl, einmal weil der Jude durch seine Geschichte all' das Entsetzliche seines ständischen und nationalen Princips hat kennen lernen müssen, dann aber, weil noch in diesem Augenblicke sein ganzes Geschick vom Stege der Rechtsidee über die Gewalt bedingt ist. Dem christlichen Staates des Mittelalters, der noch in unserer Zeit gar manche Spuren zurückgelassen, ist der Jude allerdings geborener Feind, den modernen Staat, denjenigen, in dem für Alle gleich das Recht sich verwirklichen soll, begrüßt er mit Freude als Ausführung desjenigen Gedankens, den das Judenthum durch die Geschichte zu tragen berufen war und ist. Daß er für jene Ueberreste des Mittelalters eine gar feine Beobachtungsgabe besitzt, baß die ״jüdische Presse" den Kampf gegen dieselben ohne Pietät (was hat das Mittelalter gethan, diese Pietät zu wecken) und, wo nvthig, mit den scharfen Waffen der Ironie und der Satyre führt, mag allerdings denen unlieb sein, die ohne ehrlich und offen es einzugestehen, mit ihren Sympathien, ihren Hoffnungen und ihren Klagen auf Seiten