Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1865)
- Article
- Hamburg [Nachricht]
- Date
- 1865-07-01
- Page
- 333 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932958--09596-2949530- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Elfter Jahrgang. Beiblatt zum Julihest. Ausgegeben den 4. Juli 1865. In dieses Beiblatt werven Inserate zu 3 kr. pr. Zeile oder deren Raum ausgenommen □ Hamburg, Juni. Am 19. d. M. verstarb hier nach mehrmonatlichen Leiden, in der Blüthe des Mannesalters, der Arzt Dr. M. I. Michael. In ihm betrauern nicht nur die Setnigen den liebevollsten Familienvater, die Freunde, den treuesten Freund; auch in weiteren Kreisen wird dieser Hintritt als ein schwer zu ersetzender Verlust beklagt. Er gehörte zu den Ersten in der Reihe der Weniger, die mit der Begeisterung für die jüdische Lehre und der treuen Befolgung ihrer Vorschriften, allgemein wissenschaftliches Streden und sociale Bildung zu vereinen suchen. Wenigen aber mag es wie ihn! gelungen sei», diese, von Gegnern aller Richtungen als heterogen verschrieenen Elemente, so vollständig zu versöhnen und ihre scheinbaren Widersprüche in sich auszugleichen. Fortwährend bemüht den Geist der jüdischen Lehre zu erfassen, mit eiserner Consequenz ihren Forderungen nachlebend, hatte er sich in seltener Vielseitigkett die Ergebnisse der Wissenschaft auf den verschiedensten Gebieten zu eigen gemacht, und so gerechten Anspruch auf Anerkennung ihn Beide gegeben, so wenig suchte er denselben geltend zu machen. Eine Bescheidenheit, die sich zur kindlichen Naivität steigerte, ließ ihn am Wenigsten seinen eigenen Werth erkennen. Das הצנע לכח עם אלוהיך war die Devise seines Lebens. Indessen weit davon entfernt in' diesem innigen Geistes- und innigen Gcmüthsleben sein Genüge zu finden, war er eifrig bemüht, dem Priucip, dessen Durchführung er als die Aufgabe seines Lebens erkannt hatte, in immer weiteren Kreisen Anerkennung und Geltung zu verschaffen. So wirkte er anregend und lehrend auf die ihm Nahestehenden; so widmete er die Muße, die sein zeit- und kraftraubender Beruf und sein, fleißiges Studium ihm ließ, der Erziehung und Belehrung seiner Kinder, denen er seine Ideen und Grundsätze einzuprägen, und als heiliges Vermächtniß zu hinterlassen be-