Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1865)
- Article
- Licht- und Schattenbilder
- Date
- 1865-05-01
- Page
- 266 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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266 Licht- und Schattenbilder. gehört, was nennst Du ihn einen dummen Jungen; und warum sollte Dein Bruder nicht freundlich gegen ihn sein?" Hohe Rothe Hatte Arnolds bleiche Wangen überzogen, doch er schwieg und verließ das Zimmer. Der Arme, er litt unsäglich. Es war nicht der Schmerz allein, der die Ruhe ihm stahl. — Der heitere harmlose Knabe, der mit gläubigem Vertrauen jedem Worte des Mannes gelauscht, den Vater er genannt, war nun plötzlich zum denkenden prüfenden Jungling gereift. — Der Zweifel zernagte den Frieden ihm. ״Wo er ging und wo er stand, immer glaubte er die Worte zu vernehmen: ״er tilgte den Fehler der Natur, die als Juden dich schuf." Wer darf sagen, daß die Natur gefehlt? wer darf wagen —״ doch »och wagte er nicht weiter zu denken — Jede Mußestunde, jeden freien Augenblick benutzte er, Bibel und Katechismus zu lesen— die Eonfirmation nahte ja, als bewußtvoller Christ sollte er dastehen, doch je mehr er las, desto mehr dachte er nun auch. Es war gegen Abend; die Religionsstunde, die der Pfarrer den Confirmanden zu ertheilen pflegte, war beendet; alle hatten das Zimmer schon verlassen, nur Arnold war zurückgeblieben, in trübem Sinnen verloren, stand er am Fenster — den Katechismus noch in der Hand, die heiße Stirn an die kühlen Scheiben gelehnt, schaute er hinab in den Garten. Die Sonne war untergegangen, langsam zog der Mond heraus, mit magischem Silberscheine die freundliche Gegend beleuchtend. ״Gott, mein Gott," flüsterte der Knabe, ״du der du die G!stirne hast erschassen, ist es denn nur denkbar, daß du einst hienieden bist gewandelt? — Als Mensch mit menschlichen Bedürfnissen und Menschlichen Schmerzen? — Als Fabel lehrte man mich's verlachen, daß einst der griechische Zeus als Mensch mit Menschen verkehrte; doch wenn jenes Wahrheit, warum denn dieses Mährchen? — Und wenn dieses Mährchen sein muß, wie kann denn jenes Wahrheit sein? — O Gott mein Gott, sende mir Klarheit oder Glauben; nur-diesei, Zweifel nicht, er verzehrt mein Gehirn." Und leise regte sich der Wunsch in ihm, die Religion doch zu kennen, der man ihn geraubt; ob sie wohl auch von dem Mensch gewordenen Gotte lehrt?" Die Thür ging aus; der Pfarrer trat herein, die brennende Studirlampe in der Hand. ״Du hier Arnold, und im Finstern?