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Jeschurun · 1865-05-01 · Heft 8 (Mai 1865) · p. 265

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 8 (Mai 1865)
Article
Licht- und Schattenbilder
Date
1865-05-01
Page
265 (sequence 2)
Language
German
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Bon S... 265 geleitete die Mutter den noch immer Weinenden zum Divan, ״lege Dich nieder mein Kind, ich eile einen kühlenden Trank Dir zu dereiten und bin gleich wieder bei Dir." Rasch verließ sie das Zimmer und schon nach wenigen Minuten kehrte sie zurück, ein Glas kühlenden Himbeersafts in der Hand. ״Trinke mein Arnold, das wird Dir gut thun." Hastig leerte der Knabe das Glas und flüsterte leise nur ״Dank". Die Mutter kühlte ihre Hand an der Wand und legte sie aus des Leidenden Stirn. Arnold athmete hoch auf ״o wie das wohl thut, Deine liebe liebeHand mehr noch als die Kälte". Die Mutter lächelte liebevoll und abwechselnd kühlte sie nun immer eine Hand und mit der andern die heiße Stirn — Der fliegende Athem ward leiser und regelmäßig, die brennenden Augen schlossen sich; es währte nicht lange, so lag der aufgeregte Knabe in sanftem Schlummer. Mehrere Stunden mochten vergangen sein, ehe er erwachte, und als er endlich die Augen aufschlug, und die Eltern mit freundlichem Lächeln ihn begrüßten, da war's ihm so wohl, so leicht. Aus schweren Träumen glaubte er zu erwachen, und freute sich des Er- Wachens. Doch eine dunkele Erinnerung drängte sich ihm auf; scheu suchend blickte er umher. Der Pfarrer verstand dies, ״Dein Vater liebes Kind ist abgereist und läßt Dich herzlichst grüßen." Arnold seufzte schwer, also doch doch war es wahr —״ Mehrere Tage vergingen, ohne daß der Knabe, wie die Eltern es gehofft, seine frühere Munterkeit wieder erlangte. Sie wähnten, nur der Schmerz, nicht ihr wirklicher Sohn zu sein, drücke ihn darnieder und suchten ihre Zärtlichkeit gegen ihn zu verdoppeln; doch umsonst, er ward immer trüber und bleicher. Eines Tages, die Knaben waren eben aus dem Gymnasium heimgekehrt, wandte sich der Jüngere verdrießlich an den Aeltern. ״Weißt Du, daß ich eigentlich sehr bös aus Dich bin." ״Mir böse, lieber Carl, das thut mir leid aber warum bist Du's?" ״Ich wollte auf dem Heimwege so Interessantes Dir erzählen; doch Du sprachst immer mit Jakob Löwi, was brauchst Du mit dem dummen Judenjungen so freundlich zu sein?" ״Einfältiger Knabe," herrschte der Vater ihn an, ״Jakob Löwi habe ich als braven Schüler und geistvollen Knaben nur rühmen

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