Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 7 (April 1865)
- Article
- Zur Falaschasfrage
- Date
- 1865-04-01
- Page
- 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Zur Falaschasfrage. mittel, die uns bei unserem Versuche, durch derartige Berichte zu einer Sicherheit über die Falaschas zu gelangen, zu Gebote standen, find freilich sehr wenige, da wir uns zu unserem Bedauern bisher trotz mannigfacher Bemühungen nur einen kleinen Theil der Werke verschaffen konnten, aus denen wir zuverlässige Auskunft über die Falaschas zu erhalten hofften. Der verstorbene Orientalist Philoxsne Luzzato hat allerdings in seinem von der Redaktion derArolüves Israslites herausgegebenen M6moire sur les juifs d’Abyssinie ou Falashas über dieselben interessante Nachrichten veröffentlicht, in deneu die jüdische Nationalität der Falaschas angenommen wird; aber auch der Inhalt dieser Schrift muß selbst abgesehen von dem, die Authentizität der jüdischen Tradition leugnenden Gesichtspunkte, der Luzzato bei seiner Arbeit leitete — schon darum mit größter Behutsamkeit ausgenommen werden, weil dem Reisenden Antoine d'Abbadie, der, um die Nilquellen zu entdecken, sich längere Zeit in Abysstnien aufhielt, und von dem die meisten, das religiöse Leben der Falaschas betreffende Mittheilungen jener Schrift herrühren oder vermittelt wurden, auch vom rein wissenschaftlichen Standpunkte aus kein großes Vertrauen geschenkt werden kann, wie aus einer von vr. Bek e, Secretär der National-Association kor the Protection of Industry and Capital in London 1850 verfaßten Entgegnung auf Dauffy's Bericht über d'Abbadie's Reisen, und aus dem im V. Bande der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft (Leipzig 1851) sich befindenden wissenschaftlichen Jahresberichte des Professors vr. Rö di g er hervorgeht, wo S. 423 als zweifelhaft erklärt wird, ״ob Ant. d'Abbadie wirklich die Ntlqnellen gesehen, die er beschreibt" (!!) Obgleich nun diese Frage eine uns fernliegende ist, so muß doch der von Professor Rüdiger ausgesprochene Zweifel bet jedem Unbefangenen das Vertrauen aus die Zuverläsfigkeit des Ant. d'Abbadie bedeutend erschüttern; überdies sehen wir uns auch in Folge der durch Vermittlung des Herrn Rabbiners vr. Hildesheimer uns zugekvmmenen Antworten, die ein in Zerusalem sich befindender Geistlicher, der in Abyssinien lebte, auf einige von uns gestellte Fragen ertheilte, veranlaßt, die Glaubwürdigkeit der Angaben d'Abbadie's sehr zu bezweifeln. Da nun dieser Reisende, der in dem erwähnten Msmotre Luzzato's p. 4 als der plus savant de tous les Voyageurs qui ont visitd l’Abyssinie bezeichnet wird,