Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 6 (März 1865)
- Article
- Deutschland : Wien [Nachricht]
- Date
- 1865-03-01
- Page
- 199 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Seit mehr als 26 Zähren haben die ärmeren Judengcmeindcu, Rabbiner und Laien ans allen Provinzen des Reiches, so oft ihr Interesse in irgend einer Weise gefährdet schien, in die Vertretung und Fürsprache des ehrfnrchtvoll Gefertigten ihr Vertrauen gesetzt. Bei allen wichtigen Angelegenheiten, die nöthigen Majestätsgesucht und alle Schriftstücke für die betreffenden Hof- und Landesstellen von ihm persönlich verfasst, weiß cs eben derselbe, wie auch die Würfel innerhalb dieser ereignißvollen Zeit gefallen sind und in welcher Richtung sich die Inden in Oesterreich auch bedrängt fühlten, niemals versuchten dieselben für ihre besten und heiligsten Lebens-Interessen einen anderen Schritt , als sich dem Schutze und der Gnade ihres kaiserlichen Herrn anzuvertrauen. Mit derselben vertrauensvollen Hingebung legen die Juden der genannten Krönländcr auch heute ihr Geschick vor den Stufen des Thrones nieder und möchten nur die trostreiche Beruhigung mit sich nehmen, daß ihre kümmerliche und bedrängte Lage Eurer k. k. Apostolischen Majestät nicht fremd geblieben sei. Die Bedingungen, welche im Jahre 1860 den Juden in Galtzien, der Bukowina und in dem Großherzogthume Krakau zur Er- Werbung von Liegenschaften vorgezeichnet worden sind, und die hiedurch entstandene offenkundige Zurücksetzung derselben gegen ihre eigenen Glaubensgenossen im ganzen Reiche, haben sie in den Augen der Welt auf eine Stufe der Civilisation hingestellt, die in allen Kreisen der gesellschaftlichen Verhältnisse tief und schmerzlich empfunden wird. Wenn nun eine solche Ansnahmsstellung fürs ganze Leben inmitten der verschiedenen Volksstämme des großen Kaiserreiches schon an und für sich höchst betrübend bleibt, so verursachen die laut Reichsgesetzblatt ddo. 18. Februar 1860 für die Israeliten in Galizien, Bukowina und dem Großherzogthume Krakau ausgesprochencn Beschränkungen die größten Hindernisse für jeden soliden und sichern Erwerbszweig. Die weit überwiegende Mehrheit der israelitischen Bevölkerung dieser Krouländer hat keine Gymnasien absolvirt und kann sich auch den ihr znr Erwerbung von Grund und Boden vorgeschriebencn Real- und Handelsschul- Prüfungen dermalen nicht unterziehen. ES fehlt somit den dortigen Juden die nöthigc Intelligenz, um sich aus dem Gebiete der Industrie und des Handels in der heutigen Zeit mit Si cherheit und Erfolg bewegen zu könn cn. Unter solchen Verhältnissen bleiben dieselben, wie jeder Zandmann, ausschließlich aus Feldbau, Viehzucht und Onono.- mie überhaupt angewiesen. Wenn ihnen nun auch diese Erwerbsquelle verschlossen bleibt, so werden Tansende