Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1865)
- Article
- Rischut
- Date
- 1865-02-01
- Page
- 162 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932947-2932953-2949232--09371-2949268- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
162 רשעות vollständig von jeder Sympathie mit der Welt rings umher abschnitt, die scharfen Winkel seines Hirnes schärfte und zuspitzte für den einzigen Zweig der ihm übrigbliep. Wahr ist es, daß die einst im Ghetto angespieenen Geldwechsler jetzt im Palaste gehätschelt werden. Rothschilds und Foulds, Belmonts und Benjamins finden sich jetzt im Vorzimmer von Fürsten und Präsidenten. Wir fürchten aber, daß es nicht so sehr dcßhalb ist, weil das Vorurtheil gegen die Juden gewichen, sondern daß die Liebe zum Gelbe gewachsen ist: nicht, daß die Juden wie Christen, sondern, daß die Christen wie die Inden (?) geworden sind. ״Wäre aber Shakespeare selbst in dieser Hinsicht gerecht, so war er es nicht in dem Bilde daS er von dem Rachedurst deS Juden entworfen, und in der Verachtung mit welcher er von seiner Tochter behandelt wird. Rache ist kein Charakterzug des Juden. Er ist wohl plötzlichen Stürmen der Leidenschaft unterworfen, wie in Shylock's Scene mit Tubal, aber die Besonnenheit die immer über dem Hebräer Wache hält, unterdrückt bald die Gluth. ״Die Juden lassen sich nicht gerne in physischen Kampf ein. Sie sind mehr dazu disponirt durch ihre Intelligenz als durch Gewalt zu triumphiren. Es war diese Probe mehr als jede andere, die sie tm Mittelalter den Massen, die der handfesten, muskelkrästtgcn christlichen Schule anhingen, so abstoßend niachte. Die Mißachtung einer Tochter gegen ihren Vater ist ebenso uncharakteristisch für den Juden. Die Juden sind allgemein bewundert wegen der Liebe und Innigkeit die ihr häusliches Leben schmücken. Je mehr sie aus der Gesellschaft der Menschenfamilie zurückgestoßen wurden, um so größer war die Intensität mit welcher sie sich ihrer eignen Familie anschlossen. ״Niemand kann jemals die Häuser der Juden besucht haben, ohne von der Liebe betroffen zu sein mit welcher die Töchter den Vater begrüßen, wenn er heimkehrt von den Mühen des Tages und der Verachtung und dem Spotte den sein grober Kittel und seine gelbe Kappe hervvrgerufen, und ohne zu bemerken wie diese kleinen ruhelosen Augen die glänzen und funkeln, einen sanften liebenden Glanz ausstrahlen wenn sie auf dem Antlitz einer Rebecca, Jeßica oder Sarah ruhen, und wie er nicht langer mit gebeugtem Rücken, sondern