Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1865)
- Article
- Deutschland : Kassel [Nachricht]
- Date
- 1865-01-01
- Page
- 137 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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137 meine Aeußerung, fiel so wenig bet der ganzen liberalen Partei auf, wurde als ganz gewöhnliche Redefloskel betrachtet, daß fich nicht eine Stimme dagegen erhob. Um so größer war die Entrüstung nnter der jüdischen Bevölkerung, die durch diese ungerügte Aeußerung aufs Schwärzeste gebrandmarkt wird. Herr Landrabbtner Adler sah sich deßhalb veranlaßt, diese Verdächtigungen in folgender Absertigung zurückzuweisen. Der Landtagsabgeordnete Herr Herrlein erdreistete sich in der öffentlichen Sitzung der Kammer der Abgeordneten folgende zweifache unerhörte Beschuldigung auözusprechen: ״Es scheine der Regtegierung um die wenigen Groschen zu thun zu sein, welche die Juden den armen Leuten noch übrig lassen. Die Negierung hat der Herr Landtagscommissär sehr ernstlich dagegen verwahrt. Daß Jemand auch die Juden gegen die gegen sie gerichtete Beschuldigung verwahrt habe, davon hat nichts verlautet. Ganz natürlich! Sind ja die Juden als solche nicht vertreten. Aber beruhigt Euch meine Glaubensgenossen! Es giebt noch ein anderes und höheres Forum, als das, vor welchem Herr Herrlein freilich leichtes Spiel hat, über einen Abwesenden zu sagen, was ihm beliebt — die Oeffentlichkeit. Vor diesem Forum klage ich im Namen von Tausenden, die allesammt, was Redlichkeit, Rechtschaffenheit und Bürgertreue betrifft, Herrn Herrlein um kein Haar nachstchen, vor diesem Forum klage ich Herrn Herrlein der Verdächtigung und Verleumdung an. Diesem Forum können wir aber auch das Urtheil über ein solches, in den Mantel der Liberalität sich einhüllende, lieblose, der Wahrheit in's Angesicht schlagende Verhalten getrost überlassen. Dr. Adler, Landrabbiner. Aus der folgenden Entgegnung des Herrn Herrlein ersieht man leider die Wahrheit unserer obigen Bemerkungen, indem er nackt und klar eingcsteht, er habe unter ״Juden" kurzweg Leute verstanden die den Ruin der Bauern herbeiführen. Auf die ״Abfertigung" des Herrn Landrabbinen Dr. Adler, in Nr. 1822 der Morgenzeitung, in welcher er mich vor dem Forum der Oeffentlichkeit wegen einer in der Ständeversammlung von mir bezüglich der Juden gethanen Aeußerung der ״Verdächtigung" und der ״Verläumdung" anklage und mir ein ״in den Mantel der Liberalität sich einhüllendes, liebloses, der Wahrheit ins Angesicht schlagendes Verhalten" zur Last legt, entgegne ich nicht des Herrn Dr. Adler wegen, der sich augenscheinlich im ersten Zorne die betreffenden Worte in dem allerübelsten Sinne zurechtgelegt und sich wahrlich mehr als zu viel Genngthuung selbst genommen hat, sondern meiner selbst wegen Folgendes: Welche Stellung ich den Juden unseres Landes gegenüber ein nehme, darüber ergeben die Landtagsverhandlungen aus der Has» senpslug'schon Zeit das Nähere. Dieselbe Ansicht und Siel-