Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1864)
- Article
- Aus der Wiener Cultus-Gemeinde 5624 [Rezension]
- Date
- 1864-12-01
- Page
- 87 (sequence 11)
- Language
- German
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88 Aus der Wiener Cultus-Gememde 5624. Wie die Exposition und Invention eine höchst verunglückte, ebenso ist die Dirtion vulgär, fade, schleppend, langweilig, ohne rhetorischen Schwung, ohne oratorischen Schmuck; mitunter sogar den ästhetischen Sinn grob beleidigend. Ausdrücke wie da s wiederholt vorkommende Schlagwort ״der wollüstige Esel," in denen sich der Verfasser besonders zu gefallen scheint, sind nicht anders als ״eselhast" zu bezeichnen. Das Pathos läßt ganz kalt, theils weil immer durch dasselbe ein kaltberechnendes, engherziges und eigennütziges Wesen durchschimmert und theils weil es unschön und abgeschmackt ist. Die ungehobelte Grobheit vertritt bei dem Verfasser die Stelle — der Satyre, die rabulistische Willkürlichkeit die Stelle — der Originalität, und die logische Carrikatur die Stelle — des Witzes. Besonders belästigend und abstoßend ist der müßige Citatenkram, welcher anstatt zu überzeugen — ermüdet und langweilt. Wie der Verfasser in seinen ,soi-äisunt — wissenschaftlichen Arbeiten sich bestrebt, durch leere ^Nötizenjägcrei und hohlen Charlatanismus zu blenden und Sand in die Augen zu streuen, so ist auch in seinen ״Predigten" sein Augenmerk darauf gerichtet, durch gewaltsame Ausbeutung der hagadischen Literatur zu glänzen und zu paradiren. Aber dieses widersinnige zwangsweise Beihautundhaarherbeiztehen ganz fremder nicht einschlägiger Sätze und Sentenzen muß jedem Sachkundigen als etwas Gesuchtes, Gezwungenes, Unnatürliches, als eine ungeschickte lächerliche Affekthascherei mißfallen und widerstreben. Möge die jüdische Presse vor ähnlichen Erscheinungen fortan bewahrt sein!