Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1864)
- Article
- Aus der Wiener Cultus-Gemeinde 5624 [Rezension]
- Date
- 1864-12-01
- Page
- 78 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprochen von Dr. Herrmann Lipschitz. 79 Steckenpferd, auf dem die blanken Knappen des religiösen Fortschrittes ihren kühnen Ritt versuchen durch das gelobte Land der Aufklärungshafcherei. Das bisher Gesagte dürfte genügen, um eine übersichtliche Darstellung des fraglichen Merkchens zu bieten, um dessen allgemeinen Charaktcrzug zu bezeichnen und anzudeuten, was der Verfasser damit gewollt und beabsichtigt. Nun wollen wir das Merkchen die Revue passiven lassen, um unsere ausgesprochene Anschauung über dasselbe zü documentiren. Seite 3 heißt es: ״Uebcr die Einheit und Einigkeit Zsracl's will ich reden in einer Zeit, in welcher Israeliten den Feinden des Judenthums die Hand bieten um das Volk des einen Gottes zu theilen und zu spalten." Giebt es eine herausforderndere Keckheit, eine maßlosere Un- Verschämtheit als diese dem orthodoxen Judeiithuni in'ö Gesicht geschleuderte böswillige und grundfalsche Beschuldigung?! — Giebt cS ein haarsträubenderes himmelschreienderes Sacrilegium, als die Heiligkeit des jüdischen Gotteshauses, der jüdischen Kanzel durch solch' freche Jndenlästcrung und Judcnschmähung zu entweihen »nd zu schänden?! — Giebt es eine empörendere Charakterlosigkeit und Verworfenheit, als sich nicht zu cntblöden in! Angesichte einer zahlreichen Versammlung aller Wahrhaftigkeit Hohn zu sprechen und solch' eine gemeine und abgeschmackte Lüge zum Besten zu geben. So geeäth der Leser bald am Anfänge dieses Pamphlets in die Verlegenheit, nicht zu wissen, ob er der Stirne »nd Dreistigkeit oder der vcrläumderischon Unwahehaftigkeit ein größeres Maas; von Verachtung zollen soll. S. 4. ״Wer von ihm, dem ewigen, lebendigen, einig-einzigen Gotte angezogen wird, wer nicht die Bah» verläßt, welche ihn in dessen Nähe hält, der hat seinen Platz am Himmel Israels." Also, wer an den wahren Gott glaubt der ist Jude. Uns will es schier bedünkeu, daß diese Behauptung nicht allein eine antijüdischc, sonder» auch eine äußerst alberne und läppische sei. Die folgerichtige Cousequenz derselben lautet entweder: jeder gesittete Mensch ist Jude oder: die ganze nichtjüdische Welt kennt keinen wahren Gottesglauben, und nach unserem unmaßgeblichen Dafürhalten ist die Annahme des Erster!! ein Unsinn, und die Annahme des Lctztern ein Unrecht. 'Mag sich gefälligst Herr Lr. Jellinek für das Eine oder das Andere entscheiden. Er besitzt Geist und Takt genug,