Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 2 (November 1864)
- Article
- Zur ungarisch-jüdischen Seminarfrage
- Date
- 1864-11-01
- Page
- 54 (sequence 4)
- Language
- German
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54 Zur ungarisch-jüdischen Seminarfrage. sittlicher Reinheit abgehet und der nun entscheiden soll, wie eine j>1dische Seelsorgerbildungöaustalt beschaffen sein muffe! - - W ahrlich es ist das so himmelschreiend wie herzzerreißend! Doch das Uebel ist, Gott sei Dank, noch nicht vollbracht, und bann noch im Keime erstickt werden Aber dazu ist ein energisches, vereintes, opfcrmuthiges Auftreten der gesctzestrcuen Juden Ungarns nöthig. Besonders ist es heilige Aufgabe der ungarischen רבנים המופלגים ראשי ישיבות ד' יגן עליהם, der dem Judenthume drohenden Gefahr mit aller Macht ihres Einflusses entgezenzutreten und die bösen Absichten der bösen Menschen zu vereiteln. Aber da sind keineswegs anttsemtnartsche Bestrebungen angezeigt, denn diese sind ebenso nicht geeignet die Bemühungen unserer Zerobeama zu paralysiren, wie sie durchaus nicht dazu angethan sind, aus die religiöse Ueberzeugung und den praktischen Sinn der Vertreter der Orthodoxie ein günstiges Licht zu werfen. — Es soll vielmehr dem Seminare das Wort geredet werden, aber einem solchen Seminare, das auf die Lehren des positiven geschichtlich überlieferten Judenthums gegründet, und durch anerkannte talmudische Autoritäten von notorischer tiefer Religtosttät approbirt und geleitet sei. — Tretet zusammen ihr großen im Dienste Gottes und der jüdischen Wissenschaft ergrauten Hirten im ungarischen Israel, berathet diesen ernsten hochwichtigen Gegenstand, fasset den Beschluß, unter welchen Modalitäten und Auspicien das Seminar basirt werden möge, theilet ihn den Gesetzestreuen eurer Gemeinden mit und leget ihn dann in einer Collektivnote zu den Füßen unseres allergnädtgsten Kaisers, und der Gott Zebaoth, welcher die Herzen der Könige wie Wasserbäche leitet, wird gewiß das Herz unseres frommen Kaisers, welcher sich stets als Stab und Stütze bewährt für die heiligen Interessen aller Confessioncn, euch zuwenden und zu Gunsten eures gerechten Wunsches stimme». Euer Anspruch auf Berücksichtigung eures Verlangens ist vielzugerecht, als daß ihn unser gerechter Kaiser nicht würdigen möchte. Gtebt cs Einfachercs, Einleuchtenderes/Gerechteres, als daß man bei Gründung einer öffentlichen Rabbinerschule den diesfälligen Ueberzeugungen und Anschauungen derjenigen Rabbinen des Landes Rechnung zu tragen habe, deren rabbtnische Capazität eine hervorragende und deren innige Rcltgiösität und gottdurchdrnngener Lebenswandel allge-