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Jeschurun · 1864-11-01 · Heft 2 (November 1864) · p. 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
11 (1864-1865)
Issue
Heft 2 (November 1864)
Article
Das jüdische Weib
Date
1864-11-01
Page
42 (sequence 6)
Language
German
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42 Das jüdische Weib. VI. sich die mit Klugheit gepaarte Gottesfurcht praktisch bewährte, und dem Manne als Vorbild leuchtete, der denselben Grundsatz im Rathe der Gemeinde zu bethätigen hatte. 10 Die Gewissenhaftigkeit und Milde, die aus dem vorangehenden Beispiele hervorleuchtet war aber überhaupt der Grundcharakter ihres Wesens, sie waren die Kraft (eigentlich die Entschiedenheit) und die Schöne, 11m np, die die Erscheinung ihres Wesens bildeten und darum sah sie auch heiter lächelnd ihrem letzten Tage entgegen. Welch ein Bild eines weiblichen Wirkens trägt uns dieser Nekrolog einer jüdischen Hausfrau entgegen! Hätte uns das heilige Wort aus der Vergangenheit unserer Frauen auch nichts als dieses Eine Stück aufbewahrt, welch ein Blick wäre uns schon damit in die Stellung des Weibes im jüdischen Volke eröffnet, wie schlüge schon dieses Eine Alles nieder, was eine unbegreifliche Gedankenlosigkeit von orientalischer Knechtung und Herabwürdigung des jüdischen Weibes des Alterthnms gefabelt und fabelt! Wo ist das europäische Weib des neunzehnten Jahrhunderts, das nicht mit begeistertem Verlangen zu diesem Bilde aus ältester jüdischer Vergangenheit als zu einem hellleuchtenden Vorbtlde aufblicken möchte, dem nahe zukommen das seligste Bewußtsein ihres Lebens bildete! Was ist dieses jüdische Weib! Es ist die vertraute, beglückende Freundin ihres Mannes, dessen Herz in dem ihrigen sicher ruht und seine höchsten Errungenschaften in ihr findet. Sie ist die selbstständige Leiterin und Ordnerin des Hausest Aber sie ist noch mehr als dies. Sie will nicht nur das -vom Manne erworbene Vermögen zum Besten des Hauses, zur Nahrung und zum Wohlbehagen des Hauses verwenden. Sie greift thätig selbst zu und will durch ihre Thätigkeit selbst zur Vermehrung des Wohlstandes des Hauses bettragen. Sie macht sich somit freiwillig zur Genossin der Mühen und der Arbeit des Mannes. Thätigkeit ist ihr Element, Wohlthun ihre Freude, Weisheit wohnt auf ihren Lippen und opferfreudige Hingebung und Liebe lehrt sie mit Rede und Thal.

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