Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1864)
- Article
- Israels Dauer durch seinen Glauben
- Date
- 1864-10-01
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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ו Von vr. M. Braunschweiger. 11 chen bewirken den Untergang der Nationen. Namentlich wenn ein Volk in Sitten- und Zuchtlosigkeit verfällt, Ungerechtigkeiten im Staate sich so überhäufen, daß mit der Zeit Recht und Gesetz alles Ansehen verlieren, und das Staatsgebäude ganz morsch wird, so lost sich eine solche Nation auf, wird einer andern einverleibt nnd schwindet spurlos von der Welt, wie die Philister, die Ammontter, Amalek u. a., deren Nachkommenschaft vielleicht noch besteht, deren Namen aber untergegangen ist. Dann gibt es wiederum Völker, deren Namen nur, aber ohne alle Nachkommenschaft sortbesteht. So ist Egypten häufig ganz verheert worden, nnd jedesmal, wenn es wieder colonisirt wurde, wurden alle neuen Ansiedler desselben Aegypter genannt, obgleich sie nicht egyptischer Abkunft waren.*) Ueber das Untrrgehen von Völkern liefert uns die Geschichte der alten Welt reichliche Beispiele: das mächtige Assyrien zerfällt zuerst in drei gesonderte Reiche: Assyrien, Babylonien und Medien; aber auch diese Reiche, mit ihren großen und stark befestigten, Prachtvollen Städten gingen zuletzt durch ihre ausgearteten und schwachen Regenten, eins nach dem andern an den persischen König verloren. Das persische Reich aber hatte dasselbe Schicksal durch die Griechen, Aegypten durch die Römer, und selbst diese erlagen wieder andern Volksstämmen. Nun gibt es aber keine Nation, von der sich Name und Nachkommenschaft zugleich erhalten haben, als die israelitische, von der es heißt: ״so soll eure Nachkommenschaft und euer Name bestehen." (Jes. 66, 22.) Wenn auch Israels Staat selbst im Laufe der Zeit aufhörte, sei es, weil es seinen Gesetze» und Pflichten nicht treu nachkam, oder sei es sonst aus himmlischem Rathschluffe, dessen Gründe uns unerforschlich bleiben; wenn auch für eine geraume Zeit sein Königthum unter den übrigen Regenten verschwand; so blieb doch das Volk: seine Nationalität, seine Religion, sein Glaube, seine Sitten uud Gebräuche unerschüttert fortbcstehen. Diese Faktoren deS Judenthums wurden von ihm fortwährend mit eifriger Treue gepflegt und heilig gehalten, wcßhalb sie in ihm auch feste Wurzeln geschlagen und gewaltige Bäume hervorgebracht hatten. Dieses'konnte *) Vgl. Jkarim Ab sch. IV. K. 42.