Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 11 (1864-1865)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1864)
- Article
- Das jüdische Weib
- Date
- 1864-10-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 Das jüdische Weib. V. Leib unter dem Joche der Tyrannei zusammenbricht, so sind es die Frauen, sind es die Naschim Zidkanijoth, denen die nationale Erinnernng das unsterbliche Gedächtniß weiht, den Geist der Männer erheitert, den Muth der Männer aufrecht gehalten zu haben und die heitern Genien der Hoffnung und des Vertrauens gewesen zu sein. Wenn die finstere Politik eines Tyrannen den Untergang des Volkes an seiner Geburt geschworen, so sind es Hebammen, einfache Frauen aus dem Volke, die den Muth haben dem Blutbefehl des Mächtigen entgegenzuhandeln und der Stirn der zürnenden Majestät die Stirn des, Gott mehr als Menschen fürchtenden, Weibes entgegen zu halten. Wenn das Volk in verzweifelndem Kleinmuth um das Verschwinden seines sterblichen Führers das Vertrauen auf seinen ewigen Gott verloren, und in den Orgiendienst egyptischer Jdolatcrte zurückgefallen, so sind cs die Frauen, die aufrecht und gotttreu geblieben und die Theilnahme am Schaffen des Volkesgötzen verweigert. Wenn Gott dem Volke sein Gesetz überantworten will, das es zu seinem eigenen Heile und für die Erlösung der Menschheit durch die Welten tragen soll, sind es daher die Frauen zuerst, die er zu sich beruft und auf deren Ja er das Bünduiß der Treue und die Hoffnung der Erfüllung baut; wenn diesem Gottesgesetze das Heiltgthum erbaut werden soll, sind es die Frauen, die mit den Mannern in opferfreudiger Hingebung und Thätigkett für das Heiligthum wetteifern, und wenn dieser Gottesbund und die Treue am Gottesgesetze von Zeit zu Zeit durch wiederholte Proklamtrung des Gesetzes in öffentlicher Volksversammlung erneut werden soll, fehlen die Frauen nicht in der Versammlung der Nation um dieses Gesetz. Und war es nicht eine Zochebed und Mirjam, die einen Moses gerettet und denen er die erste Pflege und Erziehung, die ersten Eindrücke seincH frühsten, den Charakter meist für's Leben entscheidenden Kindcrzeit verdankt, wie es eine Channa war, die einen Samuel ihrem Volke gebar und erzog und bewufltvoll weihte?