Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Amerika : Chicago Ill. [Nachricht]
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 391 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932945--09104-2948937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
gen in chaotischer Gährung begriffenen Verhältnisse der amerikanischm Judenheit zu zeigen. Es giebt hier — so schreibt der Corresponderrt, ein radicaler Refotmer—- drei jüdische Gemeinden:^die Bnai scholom mit 80 Mitgliedern, Sinai mit ungefähr 100, und Anshai Maarab mit ungefähr 120. Bisher versammelte sich die erste zürn öffentlichen Gottesdienst in einer zu diesem Zwecke gemietheten Haste, jetzt sind sie aber dabei, eine schöne Synagoge zu bauen, deren Grundstein mit entsprechenden Feierlichkeiten am 3. Mai gelegt worden ist. Man hofft das Gebäude bis zu den kommenden Herbpfeiertagen vollendet zu sehen. Die Gemeinde ist äugenblicklich ohne geistliche Beamten, aber die Mitglieder, von welchen viele von höchster Respectabilität und hervorragender socialer Siellung sind, sind intelligent genug, einzusehen, daß ein Chasan, Vorleser und Religionslehrer für die Jugend nothwendiger sind als Holz und Stein. Zu unsrer Befriedigung hören wir, daß man sich bemüht einen entsprechenden Geistlichen anznstellen. — (Das scheint die orthodoxe Gemeinde zu sein.) — Die zweite Synagoge in Ehigaco ist die Sinai-Congregation. Sie wurde vor 3 Jahren von circa 60 Mitgliedern gegründet und ist seitdem sehr glücklich in ihren innern und äußern Beziehungen gewesen. Der Gottesdienst ist derselbe wie in der Keneseth-Jsrael-Gemeinde in Philadelphia. Das Gebetbuch ist das von Dr. Einhorn herausgegebene, meistentheils aus Gebeten und Meditationen in deutscher Sprache bestehend. Was nun den Inhalt der Gebete und Predigten in diesem Tempel betrifft, so sind viele Ideen und Lehren, die dem traditionellen Judenthum als wesentlich dastehen, z. B. der Glaube an die Ankunft des Messias, die Wiedersammlung der Juden in Palästina, die Auferstehung der Todten, die Wiederherstellung der Opfer x. rc. als obsolet und veraltet behandelt. Derselbe Geist der Neuerung hat die Gemeinde zur Abschaffung der Pflichten nnd Vorrechte der Cohanim, des Tragens von Tallis und Tesillm, zur Errichtung von Familiensttzen, zum Beten mit entblößtem Haupte u. s. f. ,veranlaßt. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß ein lobenswcrther Geist des Friedens und der Eintracht ebenso wie ein lebhaftes Interesse für alle jüdischen Angelegenheiten in der Gemeinde, herrscht. (Das wäre demgemäß die radicale Reform. Wir kommen seht zum rnixtum oomxo8ituw, zur zustv-milisu.) — Die zahlreichste Gemeinde ist die K Anshai Maarab. Sie haben einen ganz eigenthümlichen, nirgends sonst zu sind enden Ritus. Vor einigen Jahren, als es noch streitende Parteien in der Gemeinde (gerade so wie es jetzt der Fall ist) gab, wurde bet jedem Meeting der Gemeinde eine neue Gebetordnung angenommen , um eben Allen Genüge zü leisten. Aber solches Verfahren ist immer unnütz, wie es wenigstens hier sich gezeigt hat. Trotz aller dieser