Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 11 (August 1864)
- Article
- Aus der Zukunft
- Date
- 1864-08-01
- Page
- 388 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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888 Aus der Zukunft. Ring von Ihrer Hand aus seinen Finger gleiten. Nochmals neigte sie sich zu ihm nieder mit ihren Lippen seine Stirn zu berühren, und einen unaussprechlichen Blick zum Himmel sendend floh sie lautlos, wie sie gekommen, aus dem Zimmer — Als Frau Maier am folgenden Morgen das Zimmer ihrer Tochter betrat, fand sie dieses leer, aber ein offenes Schreiben lag aus dem Tische. Sie nahm es und las: ״Mutter, vergib, daß ich dir Schmerz bereite, aber ich fühle die Qual, die dein Herz erfüllt wenn dein Auge auf mir ruht und vermag sie nicht länger zu ertragen. O du weißt sa wie namenlos unglücklich ich bin. Schauerlicher als mein Verhängniß ist Wohl keines. — Gemordet ward mein Dasein, ehe Dasein man es nennen konnte, darum kann auch Mord man es nicht nennen, wenn ich jetzt zu enden es trachte." ״Er wird mir verzeihen, der Lenker der Geschicke - hat denn auch meines Er gelenkt?" ״Ernest — doch nein, ich darf seine» Namen nicht mehr neuneu — doch sehen muß ich ihn noch einmal — noch ein Mal und — ich kann nicht mehr — meine Gedanken verwirren sich —״ ״Mutter lebe wohl und vergib — auch Gott wird mir verzeihen — Fluch über ihn auf dessen Gewissen mein Verhängniß lastet." Wenige Stunden darauf zogen Fischer die Leiche eines jugendlich weiblichen Körpers aus dem Flusse.