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Jeschurun · 1864-08-01 · Heft 11 (August 1864) · p. 387

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 11 (August 1864)
Article
Aus der Zukunft
Date
1864-08-01
Page
387 (sequence 19)
Language
German
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Bon S . 387 liebte er seine Schwester und deren Tochter, und fühlte sich wie gebrochen durch das entsetzliche Unglück, das sie betroffen und von dem .sie bis jetzt noch keine Ahnung hatten. — Ohne daß er selbst eS wußte hatten ihn seine Schritte zu ihrer Wohnung geführt, und er war eingctreten, ohne daß er wußte was er ihnen sagen wollte. Bertha stürzte ihm entgegen, schon seit mehreren Stunden hatte sie ihn erwartet und bestürmte ihn nun mit Fragen. Was konnte er antworten? — Ihre Mutter kam dazu, seine schmerzliche Verwirrung nahm immer mehr überhand, er verwickelte sich in Ausreden und Widersprächen und es währte nicht lange, so hatte er ihnen die ganze schreckliche Wahrheit enthüllt. Das Entsetzen, die Verzweiflung der Unglücklichen zu schildern, das vermag keine Feder-— — Es war spät am Abend des dritten Tages, am Bette des schwer Erkrankten saßen sein Vater und dessen Bruder, angstvoll den Leidenden beobachtend. Noch war die Besinnung nicht wiedergekehrt, fortdauerte das Delirium. Bald sang, bald stöhnte er, bald richtete er glühende Liebesworte an die so heiß Geliebte, der er angctraut schon sich wähnte, und der unglückliche Vater saß daneben, selbst von schwerer Krankheit kaum genesen, mit blutendem Herzen dem Fieberwahnsinn seines Sohnes lauschend, und doch die Stunde fürchtend, die diesen beenden und ihm die Erkenntniß seines Unglücks wiedergeben sollte. Elf Uhr schlug es, da würbe leise die Thür deS Krankenzimmers geöffnet, und eine jugendlich zarte Frauengestalt trat unhorbaren Schrittes herein, und die Blässe ihrer Züge ward durch die dunkein Gewänder die sie umhüllten noch gehoben. Die Brüder kannten sie nicht, aber ihre Ahnung sagte ihnen wer sie sei. Sie wollten ihr entgegentretcn, doch sie winkte ihnen beschwichtigend und näherte sich lautlos dem Bette des Phantasirenden. Eben hatte er die Augen geschlossen, sie beugte sich über ihn, mit einem Blicke der heißesten Liebe, der schrecklichsten Verzweiflung ihn betrachtend. Ihr Athem berührte seine Wangen, er schien ihn zu fühlen und ein Lächeln glitt über sein Antlitz: ״Bertha, Bertha," murmelteer. Leise nahm sie seine sieberglühende Hand und preßte sie an die Lippen, dann ließ sie, ohne daß die Andern es merkten, einen

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