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Jeschurun · 1864-06-01 · Heft 9 (Juni 1864) · p. 307

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 9 (Juni 1864)
Article
Der moderne Rabbinismus
Date
1864-06-01
Page
307 (sequence 6)
Language
German
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Von Dr. Herrmann Lipschitz. 80? zur allgemeinen Herrschaft zu verhelfen ist heilige Pflicht eines jeden Juden, und besonders— des modernen Rabbintsmus. Der Altrabbtnismus, in seinem primitiven urwüchsigen Zustände, kann, zum Leidwesen unserer heiligen Religion nicht mehr aus allgemeine Rehabilitirung Anspruch machen. Das moderne Leben hat ihm Bresche geschossen; die gewaltigen Wogen der Weltströmung haben seinen Boden unterwühlt. Der Altrabbtnismus steht nun einmal durch seine antiquirte Außenseite in schroffem Widerspruche zur ästhetischen Richtung unseres Zeitalters. Dieser Widerspruch bildet die tiefe gähnende Kluft, die Israel in zwei feindliche Lager theilt. Der Beruf des modernen Rabbintsmus ist es nun, die Gegensätze auszugleichen und die widerstreitenden Richtungen durch eine nach beiden Seiten befriedigende Losung zu versöhnen. Der Moderne Rabbine soll allerdings in der allgemein wissenschaftlichen Erkenntniß auf der Höhe der Zeit stehen, aber keines- Wegs die profanen Wissenschaften treiben und pflegen aus Kosten der jüdischen Wissenschaft, er soll dem Zeitgerste huldigen, aber keines- Wegs auf Kosten des nationalreligiösen Geistes Israels. Er soll alle religiösen Institutionen und nationalen Bräuche des Judenthums als unantastbares Heiligthum innig verehren. Er soll Talmud und Schulchan-Aruch studiren, verstehen und hochachten, und nicht nach Belteben anwenden und verwerfen und deren Berechtigung von der Entscheidung des Verstandes abhängig machen. Er soll בדיקת הצומח הגידים und טעימת הכבר בלשונו mit eben dem sittliche,! Ernste und eben der religiösen Rigorosität vollziehen, wie die feierlichste rabbtnische Funktion. Er soll das ganze positive Judenthum in seinem historischen Gepräge als ein organisches Ganzes betrachten, als eineu lebendigen Organismus, der bei Verletzung der zartesten Faser ganz znsammenbricht. Er soll ein Rabbiner in der altüblichen Bedcutung des Wortes sein, und seinen modern rabbtnischen Beruf nur darin erkennen, kraft seiner europäischen Bildung und Weltkenntniß, das Judenthum auch nach Außen würdevoll zu vertreten und den Namen Gottes zu heiligen und zu verherrlichen. Er soll, wenn anders sein Wirken ein gesegnetes sein und Gunst finden soll in den Augen Gottes und der Menschen, im Denken, Handeln und Lehren

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