Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1864)
- Article
- Der moderne Rabbinismus
- Date
- 1864-06-01
- Page
- 304 (sequence 3)
- Language
- German
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304 Der moderne RaSbinismuZ. nackten Idee zu verdünnen. Man glaubte, der jüdischen Religion einen guten Dienst zu leisten, wenn man all ihre konkreten Formen als unberechtigten, mit ihrer Erhabenheit unvereinbarlichen Bombast bezeichnete, und ihr eigentliches Wesen als ein reines Princtp, als einen philosophischen Begriff, als eine metaphystsche Idee, als eine blaffe Abstraktion betrachtete und darstellte. Aber Nichts läuft der wahren Bedeutung unserer Religion so schnurstracks zuwider; Nichts ist so geeignet das Judenthum zu untergraben als diese religtonsphilosophische Richtung. — Das Judenthum ist keine, in eine allgemeine Wahrheit verschwimmende Theorie, ohne bestimmtes Gepräge, ohne Besonderheit, sondern eine specielle, charakteristische Nationalreligion, von ausgesprochener Farbe, von konkreter Gestalt^ von entschiedener Objektivität. — Allerdings ist der Tragbalken, der Grund- Pfeiler und Angelpunkt der Religion ein reines Princlp; allerdings ist der Ausgang und das Ziel, der Anfang und das Ende, die Ursache und der Endzweck der Religion eine bloße Idee, — der Gottesglaube; aber die jüdische Religion besteht nicht allein im Gottesglauben, sondern auch im Gottesdienste. Das Judenthum lehrt die Pflicht des Gottcsglaubens und Gottesdienstes in gleicher Linie, als zwei sich gegenseitig vervollständigende und ergänzende Momente, als zwei gleiche Theile einer Einheit, als zwei Hälften eines Ganzen. — Der geoffenbarte Gott Israels tritt seinem auserwählten Volke gegenüber, nicht als ein bloßes allmächtiges, zum Zwecke sei- --ner selbst entstandenes und extstircndes Wesen auf, ohne Wünsche und Ansprüche, sondern als Schöpfer und Gebieter der Welt, als gerechter Letter der Menschen, als Gehorsam und Unterthanendtenst verlangender Lehnsherr. — מלכותא דארעא כעין מלכותא דרקיע. Wie der irdische König von seinen Unterthanen nicht allein principielle Unterordnung und moralische Anerkennung seiner Superiorttät, fondern auch praktische Ausführung seiner Befehle beansprucht, so verlangt auch der himmlische König neben dem frommen Glauben die fromme Handlung, neben der principiellen Gottesanerkennung den praktischen Gottesgehorsam, neben der idealen Gottesverehrung den realen Gottesdienst. Die jüdische Religionslehre ist kein überschwenglich Phrasenhafter Katechismus von allgemeinen Wahrheiten und gemüthlichen Moralsentenzen, keine bloße, die höhere Wahrheiten de-