Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1864)
- Article
- Marocco : Marokko [Nachricht]
- Date
- 1864-05-01
- Page
- 285 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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285 Francesco Merry y Colon, den spanischen Gesandten zu Tanger. Ihre Majestät die Königin bestimmte die Audienz aus Samstag den 28.; in der Folge wurde dieselbe jedoch bis Montag, den 30., verschoben. Am Nachmittage dieses Tages hatte ich die Ehre, der Königin und ihrem Gemahl in einer Privataudienz vorgestellt zu werden. Niemals werde ich das Gefühl der Befriedigung vergessen, das ich bei diesem denkwürdigen Anlässe empfand; ich ward mit der ausgesuchtesten Höflichkeit und Freundlichkeit empfangen und nicht wenig erfreute mich die Versicherung des Königspaares, dass dasselbe alle Religionen achte ׳— die allgemeine Verbreitung dieses Grundsatzcs würde sicherlich dazu beitragen, die Civilisation und das Glück des menschlichen Geschlechtes zu befördern." , . Nach vielen Mühseligkeiten feierten die Reisenden den Sabbath in Cordova. Sonntag 6. Dec. waren sie in Sevilla. Dienstag in Cadtx. Mittwoch mußte der edle Greis das Bette Hüten. Donnerstag Nacht schiffte er sich jedoch auf einer französischen Dampffregatte ein und erreichte Freitag, 11. Dec., wohlbehalten Tanger. — Wir lassen jetzt Sir Montefiore selbst weiter erzählen. ״Noch vor unserer Ankunft hatte der Vorstand der isr. Gemeinde zu Tanger ein eigenes, prachtvolles Haus zu unserer Aufnähme vorbereiten lassen. Wir wurden von der ganzen jüdischen Bevölkerung mit großem Enthusiasmus empfangen und wurden täglich während der ganzen Zeit unseres hiesigen Aufenthaltes, mit den herzlichsten Beweisen von Liebe und Wohlwollen überhäuft. —- Hier hatte ich das Vergnügen, Deputationen unserer Glaubensgenossen von Gibraltar, Tetuan, Alcassar, Larage, Arzila und Meguenez zu empfangen. Diese Aufmerksamkeiten sind um so höher anzuschlagen, da sie von Setten der Deputirten mit nicht geringem Aufwande von Zeit, Kosten und Mühseligkeiten verknüpft waren. Adressen empfing ich von den Juden von Fez, Azemar und Mogador. Zum Sabbath-Morgen-Gottesdienst besuchten wir eine Shnagoge, welche ein reicher Glaubensgenosse, Herr Joseph Esbriqnh, erst unlängst auf eigene Kosten hat bauen lassen; mir zu Ehren that Herr Esbriguy das Gelübde, daß alle Einnahmen der Synagoge den Armen bestimmt sein sollen und daß bei dieser Stiftung neben seinem Namen und dem Namen seiner Frau und seines Sohnes auch der meinige genannt werden solle. Sonntag, den 13. Dec., besuchte ich in Angelegenheit meiner Mission, den engl. Gesandten Sir John Hay D r u m m o n d und den engl. Generalconsul Re ade; ich wurde sehr freundlich empsangen; diese Herren haben unfern hiesigen Glaubensbrüdem bereits viel Gutes erwiesen. Am selbigen Tage ging ich zu Don Franz. Merry, um ihm