Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 8 (Mai 1864)
- Article
- Der moderne Rabbinismus
- Date
- 1864-05-01
- Page
- 278 (sequence 2)
- Language
- German
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278 Der moderne Rabbinismus. rechte eingeräumt und neue Lebensbahnen geöffnet wurden, da griff in Israel der thörichtc Gedanke Platz, es sei nun seine Aufgabe, aus seinem Gesellschaftslebcn alle sondernden und trennenden Momente auszuscheiden, um äußerlich in die allgemeine Menschheit, welche ihm setzt brüderlich dir Arme geöffnet, ganz und gar aufzugehen. Israel ließ sich nun von den Fluthen der herrschenden Zeit- und Weltströmung widerstandslos fortreißen und reformirte seine bishertge, vom Geiste patriarchalischer Einfachheit durchdrungene Lebensweise, durch Einführung fremder, mit seiner nationalen Bestimmung nicht harmonirender Gesellschaftsregeln und aller Gesetze der dominirenden Geschmacksrichtung. Da dünkte ihm seine altehrwürdige historische Cnltusordnung, mit ihrer, ״allem modernen Geschmacke hohnsprechenden" Form nicht mehr vereinbarltch mit seiner neuen Weltstellung und Gesellschnftsrichtung, und, in dieser und jener Gemeinde mußte die alte Synagoge mit ihrer urwüchsigen, natürlichen, ungekünstelten Gebctsinbrnnst dem neumodischen, geschmackvollen, ästhetisch vollendeten Tempel mit dem geräuschlosen, ruhig ״erhebenden" Gottesdienste Platz machen. — Für solche civilisirte, nach modernster Fayon zugeschnittene Tempelgemeinden konnte natürlich der Altrabbine, mit seiner Sondertracht, mit seiner Abgeschlossenheit, mit seiner exotischen Gelehrsamkeit, mit seiner nicht zu durchbohrenden Frömmigkeit; kurz, wenn man so sagen dürfte, mit seiner Unweltlichkeit keineswegs mehr passen, und es wurde in denselben das Verlangen rege nach ״gebildeten" Rabbinen. Mit dem raschen Umsichgreifen der Modchuldigung und Nachahmungssucht im Judenthum steigerte und verbreitete sich immermehr dieses Verlangen, bis es endlich zum stürmischen und allgemeinen Feldgeschrei geworden im Lager Israels. Die Gemeinden wünschten Rabbinen, in denen eigentliches rabbinisches Wissen mit allgemeiner Bildung, tiefe Religiösität mit heiterer Lebcnsanschauung, fromme Zurückgezogenheit mit weltlichem Schliffe harmonisch vereint sein mögen. Dieser Wunsch, obgleich das Ergebniß kindischer Nachäfferei und einer der nattonalreligiosen Mission Israels widerstrebenden Amalgamirungssucht, war doch in seinem ersten Auftreten insofern gerechtfertigt als er mit einer reinen, subjektiv unschuldigen religiö-