Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 6 (März 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-03-01
- Page
- 213 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus׳ der Gegenwart II.! laß mich Mrückkehreü zu dir Md zu meinem Göttek*'1״ 'Me WM die Arme aus und wankte einen Schritt' vörwärts.׳ Werner sprang hinzu und umfing die sinkende Tochter. Zu sprechen vermochte er nicht, aber Aurelie fühlte, wie er sie an sein Herz drückte und weinte : laut.׳;!׳■׳׳';-׳; ' ׳ ׳— ׳ ״;O, nimm ihn nun׳ auch hinweg Deinen' Fluch von meinem j Haupte", bat sie'׳endlich-flüsternd. Werner schüttelte den Kopf, j ״nie habe ich Dir geflucht Kind, wie hatte ich dack köMen , ich der l ich mich selber so schuldbeladen fühltet" " ׳׳ ' ״ Ui I ״Du klagst Dich an Vater, Du?" I ״Und wen, wenn nicht mich sollte ich anklagen? wessen Schuld E als die meine ist's, daß unser heiliges Gesetz Dir so fremd? Zwar ij wähnte ich, wie mit mir freilich so viele, daß, weil in früheren Zei-; ten, in den Zeiten der Ghettis, der vollständigen Absonderung von Nichtjuden, das Beispiel ihrer Umgebung unfern Töchtern genügte, es ihnen auch heute genüge, und vergaß, daß ihre Umgebung heute eine ganz andere, daß leider häufig gerade das Beispiel derer —״ Er hielt inue, vor der Tochter wollte er die Mutter nicht anklagen. ״Doch nun sage mir Kind", fuhr er fort, ״sage, was den Entschluß j zur Umkehr in Dir hcrvorgcrusen?" — Sie reichte ihm das Medaillon mit seiner Mutter Haar und erzählte alle ihre Gemüthsbewcgungen des verflossenen Tages. ״Und habe ich nun nicht Recht, mich anzuklagen?" sprach Wer- ' ner, indem er bewegt das weiße Haar betrachtete, ״die einzige Lehre, die Du empfangen, hat Dich zurückgeführt. Verzeihe mir, mein Kind, verzeihe, und laß mich jetzt den Weg zur Wahrheit Dich sühi ren. Doch bist Du denn allein?" ij Tiefe Rothe überzog Aureliens Wangen und den Blick ängstlich bittend aus ihren Vater richtend, sagte sie leise: ״Mein Kind i ist mit mir, er ist zwar Christ; aber ihn kann ich nicht verlassen." ״Ihn sollst Du auch nicht verlassen, ich will sein Vater sein und alle Pflichten eines jüdischen Vaters an ihm erfüllen; denn ist j sein Vater auch Christ, der Sohn einer Jüdin ist gcborner Jude, fl und auch ihn kann die Taufe nicht zum Christen machen. — Doch Aurelie, wir dürfen nicht vergessen, daß Du vor der Welt die Gattin des Grafen bist, daß Du ihm entflohen und daß, so bald er Kunde | davon erhält, er die Behörden gegen Dich anrusen kann. Hier