Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 5 (Februar 1864)
- Article
- Der Kompert-Grätz'sche Preßprozeß
- Date
- 1864-02-01
- Page
- 168 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2932754-2932933-2932939-2948548--08801-2948590- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
GrätzWe Preßprszeß. Die Räume des Land-Gerichtssaals zu Wien waren in diesen Tagen Zeugen von .Verhandlungen, die jedem Juden, ja jedem redlichen, des Sachverhalts kundigen Mann die Schamröthe ins Angesicht und die Entrüstung in der, Brust wachrnfen müssen. Nicht das Verdikt des Gerichtshofes, das. wir vielmehr als ein durch dteZeugen-Aussage völlig gerechtfertigtes anerkennen müssen, auch nicht der Ausgang für den Angeklagten, der, soweit die Frage eine jüdische war, ׳freigesprochen wurde, .möchten wir. beklagen. Wir freuen uns vielmehr dieser Freisprechung, und würden uns derselben sogar freuen, selbst wenn der Angeklagte hinsichtlich der jüdischen Interessen ebenso schuldig gewesen wäre, wie er in der That unschuldig war; denn, mit Nichten mochten wir die geistigen Interessen des. Judenthums unter die Aegide der Preßgerichte gestellt wissen. Hat sich doch auch die Staatsanwaltschaft zu dieser Vertretung einer jüdisch-eonfessionellcn Wahrheit wohl nur aus dem Grunde veranlaßt gefühlt, weil es einer Frage galt, die wenn sie auf jüdischem Boden zur phan- Lastischen Chimäre geworden, noch mehr der christlichen Kirche den ganzen Boden ihrer Begründung entziehen würde. Allein die Zeugen-Aussage, die die Vertheidigung des Angeklagten zu dessen Entlastung herbeigerufen, sie ist es, gegen welche jedes jüdische Bewußtsein, und zwar um so mehr sich erheben muß, als sie aus dem