Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Deutschland : aus Württemberg [Nachricht]
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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138 geben sei. Er habe hauptsächlich gesprochen, um seine prtnciptelle Verschiedenheit von der Auffassung Hvlders und Lud. Seegers zu markiren. Holder anerkennt bereitwillig diese principielle Verschiedenheit. Er sehe in der Kirche nicht wie Mohl eine Polizeianstalt, die Religionsgesellschaften sollen sich mit Freiheit bewegen, freilich immerhin unter einer gewissen Aufsicht des Staates. Er führt aus, zu welchen Absurditäten das Princip der Ernennung durch den Staat führen könne, wie z. B. einer jungen religiösen Gesellschaft, die sich gebildet habe, gerade ein Vertreter desjenigen alten Princips, gegen die sie sich gebildet habe, als Geistlicher octroyirt werden konnte. Die Petenten der gedruckten Petition verlangen auch nicht ausschließliche Wahl durch die Gemeinde — auch er würde sich gegen das System reiner Massenwahlen aussprechen — sondern sie verlangen nur eine Mitwirkung der Gemeinde bei den Wahlen. Er schließt mit Erzählung eines Beispiels wo ein vollkommen ausgeklärter Israelit, der von den altjüdischen Gebräuchen und Rituaüen sich vollständig freigemacht gehabt habe, den fortwährenden Bedrängungen der Obcrkirchenhehörde nicht anders mehr sich habe entziehen können, als daß er ihr seinen Austritt aus dem Judenthum erklärt habe. Allein auch dieser Schritt habe ihm ui' ts geholfen, man habe ihn anfgefordert, in eine andere Religionsgesellschaft formell einzutreten, mit einem Wort man habe nicht dulden wollen, daß einer so herumlaufe. Mitruacht. Ihm sei aus dem Oberamt Mergentheim eine Mittheilung von Israeliten im entgegengesetzten Sinne, eine Warnung zngekommen, sich von dieser neuen Agitation nicht verwirren zu lassen. Er erklärt sich gegen die Anträge von Holder,?. Seeger und Probst. Den letzteren will er dadurch entkräften, daß er zwischen den Worten Probst: bleiben in Kraft und denen der Commission: leider keine Abänderung trotz juristischem Scharfsinn und keinen Unterschied aufzufiudcn wisse. (Schluß in nächster Nummer.) □ H a m b u r g. In der Bürgerschaftssitzung vom 2. Dezember hat Dr. R6e bei Gelegenheit der Verhandlung über die bekannte Wohlwill'sche Angelegenheit unter Auderm, sich über die jüdischen Armenschuleu Hamburgs geäußert. Er sagte, dieselben wirkten für Missiouszwcckk) man solle dafür sorgen, daß talmudische Vorschriften nicht Leuten aufgezwungen werden, die sie nicht wollen. Als Schulmann kenne er diese Verhältnisse sehr genau. Es wäre ein Glück, wenn für die Armenschulen kein Geld vorhanden sei. Er bezeichnet in einem vorhergegangenen Vortrage die jüdische Gemeinde als solche, mit dem Ehrentitel ״Augiasstall"!!! Der Deputirte Dr. Ree ist ein Jude und selbst als Lehrer an