Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Wohin kommen wir? [Rezension]
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 134 (sequence 5)
- Language
- German
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Wohin kommen wir? 134 ■ wenigsten geeignet, dieses Gefühl zu wildern. Das Verbot des Ta-- -1 lis (Gebetmautcls), die Brandmarkung der Tephillin (Gebetnemen), die Einführung der Orgel, welche allmälig den ganzen Kultus in unjüdischer Weise umformen muß, endlich eine Art der Thoravorlesung, die nur ein Wahnsinniger erfinden konnte, das Alles zeigte uns, welches Ideal von einem jüdischen Gottesdienst den Leitern unserer religiösen Angelegenheiten vorschwebt. Dazu kam noch, daß die Gemeinden des Landes nicht lange im Zweifel darüber blieben, ob auch sie das Glück genießen dürfen, die Stuttgarter Synagogeneinrichtungen nachzumachen; denn sie wurden durch die Rabbinate eingeladen, dieselbe ebenfalls einznführen. Doch das Alles verschwand! gegen einige Vorgänge bet der Einweihungsfeier. Der Herr Kirchenrath schloß feine Weihende mit den Worten: ״Stuttgart ist nufer Jerusalem" und sagte sich somit von dem Glauben an Israels Zukunft los, der Zukunft Israels, die, wie die große Mehrheit der Israeliten Württembergs glaubt, doch noch Edleres bringen j wird, als das Recht Kaufläden zu offnen und Fabriken anzulegen, : ein Glauben, der Daniel nicht hinderte, der treueste Minister des ] Königs von Persien zu sein und der keinen Israeliten Württembergs : hindern wird, ein treuer Unterthan unseres allergnädigsten Königs und Herrn zu bleiben. Als bei dem Festmahle der Assessor der Oberbehöide einen Toast auf das moderne Judenthum ausbrachte, der wie ein ״nieder mit dem traditionellen Judenthum" lautete, so daß! selbst anwesenden Laien das Blut in die Wangen stieg, da klirrten j auch die Becher unserer Rabbiner!, keiner hatte ein Wort für die geschmähte Mutter; einem christlichen Biedennanne, dem Direktor! der Oberkircheubehörde, Herrn OberregierungsraLh v. Schmidt überließen sie es, deren Ehre mit den Worten zu retten: Meine Herren ich trinke auf den Geist des alten Judenthums! — — — Nach dem, nach weiterer Ausführung, die verderblichen Folgen die die Wirksamkeit des Oberkirchenraths in Württemberg berettM hervorgerufeu hat, ausführlicher dargelegt werden, fordert berj Verfasser schließlich zu energischem Auftreten gegen die ebenso unjüdischen wie der Gewissensfreiheit hohusprecheuden Einrichtungen auf.