Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 4 (Januar 1864)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1864-01-01
- Page
- 124 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Gegenwart. II. m rntt beit glühendsten Worten, beschwor sie ihn nicht zum Selbstmord zu treiben , entwarfihr ein Bild von den 'Segnungen der christlichen Religion in den blendendsten Farben und sprach endlich von dem Glücke das ihrer warte, sobald sie diese nur erst zu der ihrigen gemacht mit hinreißender Beredsamkeit. Wie sie die erste Zeit ihrer Ehe dem Kümstgenuße widmen und auf Reisen zubringen, dann abwechselnd bald in der Residenz in den Cirksln der höchsten Aristokratie, bald ans seinen ausgedehnten Gütern weilen würden, wo sie ihren zahlreichen Untergebenen eine segenbrinaende Herrin, ganzer Ortschaften Wohlthäterin sein könnte. ־׳ Noch hatte Amelie sich nicht entschlossen, da erschollen vom naben Dom her die mächtigen Klänge derb Orgel. ״Horeb Aurelie" rief der Graf begeistert ״hörst du die heiligen Töne? sie gelten uns, sie rufen dich und mich, der Priester wartet unser. Komm, folge mir jetzt gleich, empfange die heilige Tau.se und daun vereint mit'mir des Priesters Segen am Altäre, ans daß ich dich heim führe als meine Gattin." Und immer mächtiger, immer reiner drangen die Töne herüber. Unwillkürlich lauschte Aurelie. Und die Töne der Orgel, dieses schönsten und gewaltigsten der Instrumente, sie üben eine eigne Macht aus das Gemüth des Menschen. Wohl kannte Papst Vitelin die Macht des Instrumentes und auch den Cultus, in den er es eiufnhrte. Es erhebt das Gemüth zu fromm dämmernder Andacht, und lullt den Geist in süßen sanften Schlummer, läßt keinen Zweifel in ihm erwachen. Und das Herz fühlt sich so glücklich so rein; vor diesen mächtigrauscheudeu Klängen muß der Ruf des Gewissens schweigen. Auch Aurelie fühlte sich gehoben und glücklich. Wangen und Augen glühten, auch ihr Gewissen schwieg׳; vergessen hatte sie der Worte ihres Vater, sie hörte nur ׳die Orgel und sah im Geiste sich am Altäre an des Geliebten Seite. ״Ferdinand" jauchzte sie, ״ich bin Dein!" und sank in׳'׳seine Anne. Fest umschloß er das reizende Mädchen und deckte ihr Antlitz mit glühenden Küssen. Doch plötzlich ward sie mit Niesengewalt den umschlingenden Armen entrissen. ״Ha Bube, noch ist meine Tochter deine Dirne nicht!" ' ״Aurelie rief der Graf, ,sich gehe, aber nur um alles zu be-