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Jeschurun · 1863-12-01 · Heft 3 (Dezember 1863) · p. 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
10 (1863-1864)
Issue
Heft 3 (Dezember 1863)
Article
Das jüdische Weib
Date
1863-12-01
Page
78 (sequence 6)
Language
German
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78 Das jüdische Weib. rll. sein, mit welchem Abrahams erster Aufbruch in's Gebirge erzählt wird. Nicht im Kal, er brach aus, sondern im Hiphil, er ließ ausbrechen, es bedurfte des Aufwandes seiner Autorität, um seine Hausgenossen für diesen Entschluß aus der wirthlichen Oertlichkeit von Sichem und Morch's Hain in Bewegung zu setzen, und als er im Geblrge sich niederließ, hieß cs ויט אהלה, nicht אהלן, und bemerkt hier wiederum die jüdische Weisheit, Sara's Zelt zuerst, Sara galt seine erste Sorgfalt; es war aber Sara's Zelt zu gleicher Zeit Abrahams Zelt אחלה, ja, Abrahams Zelt war in Wahrheit Sara's Zelt אהלה, der Genius des Hauses war sie! Solche seine Sprach- und Schreib - Nüancen sind wohl nur der heiligen Sprache und Schrift möglich. In diesen seinen Zügen offenbart sich aber der ganze Geist. Mutter Sara war schön. Sie war, wie ihr Nekrolog in der Auffassung jüdischer Weisheit lautet, zu zwanzig Jahren so schön wie zu sieben, zu hundert Jahren so unschuldig wie zu zwanzig! — Es ward schon anderweitig auf den Kontrast hingewiesen, in welchcm diese alte Anschauung jüdischer Weisen zu unserer modernen steht. Wir sprechen: so unschuldig wie ein Kind, so schön wie eine Jungfrau. Unsere Weisen suchten das Ideal der Schönheit im Kinde, bevor noch die Leidenschaft mit ihrem garstigen Pinsel das reine Engels-Angesicht entstellt. Sie suchten das Ideal der Tugend in der gereiften Jugend, wo der Geist bereits seine Reife ge- Wonnen und das Herz noch im Feuer für alles Edle, Große und Erhabene glüht. Arme Zeit, welcher Unschuld und Einfalt gleich gilt und die darum Unschuld nur in der unbewußten Kindheit sucht und au der Jugend nur die Schönheit zu preisen weiß! — Mutter Sara war schön; aber sie wußte es nicht und sie glaubte es nicht. Das offenbart etn kleines Wörtchen in der Anrede ihres Mannes.. Siche, ich weiß es ja doch, daß du ein schönes Weib bist, sprach Abraham zur Sara, als sie durch Hnngersnoth gezwungen waren, ihre Gebirgseinsamkeit zu verlassen und in die Städte Egyptens, ja in die Nähe des egyptischcn Hoflagcrs zu ziehen. Wir müssen aus dem Benehmen unserer Väter in egypttschen und PHLnizische» Landen schließen, daß vor der egypttschen und phöuizischen Zügellosigkeit die Jungfrau geschlitzter war als das verheirathete Weib. Die jungfräuliche Fremde war gesicherter gegen Antastung als die ver-

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