Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 2 (November 1863)
- Article
- Worte, am 18. Oktober 1863 in der Synagoge der israel. Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M. gesprochen
- Date
- 1863-11-01
- Page
- 48 (sequence 8)
- Language
- German
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48״ Worte am 18. Oktober 1863 rc. gesprochen Throne nieder und brachte zngleich den Völkern das Samenkorn eines Rechtes und einer Freiheit, denen er selbst im tiefsten Innern gram war. Hat es doch in der That kaum einen Menschen aufErdcn gegeben, dem so die Ideen der Selbstständigkeit, der Menschenwürde, der Rechtsachtung fremd waren, der so die Menschen verachtete, als eben das Gefäß, das Gott sich erkoren hatte, um in der Brust der Menschcn eben diese Gedanken als Saatkörner künftigen Heiles zu streuen! In dem Augenblick aber, in welchem Napoleon mit dem Scheine dieser heilverkündenden Worte die Völker gegen ihre Fürsten aufregte und mit diesem geistigen Sieg auch den materiellen über die Monarchien, deren Throne und Fürsten vollendete, in dem Augenblick hatte er auch selbst die Geister geweckt die ihm selbst den Untergang bringen sollten. Wo das Wahre und das Göttliche mit unreinen Händen angetastet wird, wo im Namen der Freiheit die Gewalt, im Namen des Rechts das Unrecht, wo im Namen der Menschlichkeit die Tyrannei und das Unmenschliche geübt wird, da rächt sich daö Göttliche selbst und weiß Den zu begraben, der es mit seineu unlautern Händen entweiht und cs mit unlauterer Gesinnung zum Werkzeug seiner unlautern Selbstsucht erniedrigt. Napoleon, der Gewaltige, erlag nicht der Macht der Fürsten. Den Fürsten, Mächten und deren Söldnern gegenüber war er imnier der siegreich Ge- , waltige. Nicht Fürsten und Söldner haben ihn überwunden, sondern jenem Bewußtsein des Rechts und der Freiheit erlag er, von dem er selbst wider Willen in die Brust der Völker die Saatkörner gestreut. Die Tyrannei und Gewalt, die er unter der Fahne des Rechts und der Freiheit geübt, empörten endlich die Gemüther und riefen die Völker zu der Begeisterung wach, sich den vaterländischen Boden zu dem eigenen Aufbau des Rechts und der Freiheit in Wahrheit und Aufrichtigkeit wieder zu erstreiten. Diesem Aufschwung verdankte Na- Poleon seinen Untergang. Nur indem die Fürsten vor fünfzig Iahren ihren Völkern ein besseres Loos verhießen, und indem sie eine reinere, freiere, gerechtere Zukunft erhoffen ließen, nur indem die Jünglinge und Männer, die in den Kampf zogen, glauben durften, für ein wtederzugewinnendcs, freies und glückliches Vaterland in den Tod zu gehen, nur darin fanden sie die Begeisterung, die den Welttyrannen stürzte. Warum waren aber gleichwohl auch mit jenem Fürsten-