Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-10-01
- Page
- 22 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Aus der Gegenwart. II. suchen ein Gespräch anzuknüpfen, erhob sich der Graf, um, wie er sagte, die wtedervercinigte Familie nicht zu stören, bat aber zugleich Herrn Werner, ihm eine Unteredung ans morgen bewilligen zu wollen. Werner fuhr auf. ״Ich stehe zu Befehl Herr Gras, aber setzt muH cs sein, gleich jetzt; morgen kann ich Sie in der That nicht empfangen. Wcnn's gefällig ist —" Er öffnete eine Thür und beide traten in's anstoßende Zimmer. ״Ich stehe zu Befehl, Herr Graf", wiederholte Werner, ״dach zuvor muß ich Sie bitten mich anzuhören. — Vor vier Wochen reiste ich ab, und verließ meine Tochter mit einem reinen, unbescholtenen Namen; ich komme zurück und höre gestern in der Restauration zu K. Aurelte Werner die Schöne des Grafen H. nennen, meine Tochter! —״ Er war leichenblaß geworden und seine Stimme zitterte vor Schmerz und Zorn. ״Verzeihung, Herr Werner", sprach der Graf ernst, ״cs schmerzt mich unendlich Sie gekränkt zu sehen, aber brechen wir dem Schwerte die Spitze; lassen Sie Aurelie Werner die Braut des Grafen H. sich nennen und Ihrer Tochter Namen ist rein und unbescholten wie früher, und mich machen Sie zum Glücklichsten der Sterblichen." Werner athmete hoch auf. ״Ich danke Ihnen Herr Gras, ich danke Ihnen innigst für diesen so ehrenvollen Antrag, und bitte Sie um Entschuldigung, daß ich an Ihren reinen Absichten gezweiseit, aber wie hätte mir auch ahnen können, daß Sie das Unmögliche beabsichtigen." ״Das Unmögliche? und warum sollte es denn unmöglich sein, Aurelie meine Braut zu nennen?" Werner blickte ihn verwundert an, ״sollte cs ihnen unbekannt sein, Herr Graf, daß Aurelie Jüdin ist?" (Fortsetzung folgt.)