Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 10 (1863-1864)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1863)
- Article
- Das jüdische Weib
- Date
- 1863-10-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Das jüdische Weib. I. menen Stützpunktin derartigen scheinbar wissenschaftlich construirten Folgerungen, dann gehen dieselben wie Currentmünze von Hand zu Hand, zählen mit in dem Schatze der Ansichten und Urthetle des Volkes und kein Mensch, nimmt sich die Mühe, die flachgegrisfene Münze nach ihrem innern Gehalte zu prüfen, ob denn das Metall ihrem Nennwerthe entspricht. Mag immerhin die Legtrung die allerschlechteste von der Welt sein; was thut's, die Münze gilt, man kommt damit zum Ziele, was bedarf's eines Mehrern! Nicht wenige Vorstellungen und Urtheile von jüdischen Verhältnissen und über dieselben, wie sie heutigen Tages von Mund zu Mund und von Büchern zu Büchern coursiren, verdanken solcher Leichtfertigkeit der Gedanken-Präge und solchem Leichtsinn des Gedanken-Verkehrs ihr Dasein und ihre Geltung. Das Judenthum bastrt auf Bibel und Tradition, im Judenthum figuriren Priester uud Tempel, seine Wiege ist der Orient, in seiner Gegenwart ringen Partheien um Umwandlung oder Erhaltung des Ueberliefcrten — diese ganz äußeren Achnlichketten genügen, um nun a priori und sofort auf's Judenthum und seine Verhältnisse Alles zu übertragen, was in andern Kreisen sich aus Bibel und Tradition, aus Priester und Tempel in Erzeugung einer Religion gestaltet, Alles, was aus gang und gäben Vorstellungen über orientalische Sitten und Verhältnisse sich in den Vorstellungen der europäischen Menschen festgesetzt, Alles, was in andern Kreisen die religiösen Kämpfe der Gegenwart erzeugt, ohne zu bedenken, daß Bibel und Tradition, Priester und Tempel im Judenthum ganz specifisch andrer Bedcutung sind als überall sonst, daß der Orient wohl die Wiege der jüdischen Nation, nicht aber ihrer Sitten und Lebensweisen gewesen, daß das Gottesgesetz und die aus ihm fließenden Sitten und Lebensweisen sie einst im Orient zu einer ebenso specifisch geschiedenen Nation wie im heutigen Europa gestalteten, und daß das innerste Wesen der Fragen, denen es gilt, die Parthcien der heutigen Bewegung in Israel unter ganz entgegengesetzte Fahnen ruft, wie sie als Partheiabzeichen in andern Lagern gelten. Was hat unter diesen Entstellungen so gelitten als die Vorstellung und das Urlheil vom jüdischen Weibe! Obgleich jedes Blatt der jüdischen Bibel, jedes Wort der jüdischen Tradition, jede Seite der jüdischen Geschichte, jedes Haus der jüdischen Vergangen-