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Jeschurun · 1863-08-01 · Heft 11 (August 1863) · p. 507

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 11 (August 1863)
Article
Zur Geschichte der Judenverfolgungen im 14. Jahrhundert
Date
1863-08-01
Page
507 (sequence 7)
Language
German
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Bon Dr. M. Ralph. 50? ) lumpiges Geld sich die Erlaubniß zur Abschlachtung tausender elender jüdischer Kammerknechte hätte erkaufen könnten. Auch bei den Straßbürgern, die jetzt in aller Ruhe sich ihres Raubes freuen konnten- und durch mächtige Bundesgenosse» und den Ablaßbrief des Kaisers gegen jede Folgen ihrer christlichen Liebesthat gesichert waren, machte sich bald wieder das Geldinteresse fühlbar. Man hatte die Juden abgeschlachtet und ausgeraubt; einem ehrsamen Rathe lag es ob, dafür zu sorgen, daß man wieder einige lebendige Blutegel in der Stadt hatte, die sich durch emsigen Fleiß und rastlose Thätigkeit emporarbeitetcn, und die man dann, wenn sie sich vollgesogen, wieder auspreffen, und nöthigenfalls abschlachten könnte. Ist es doch überhaupt im Mittelalter und auch bis in die Neuzeit ein nicht fei־» tene Erscheinung, daß sich in Gegenden, in denen keine Juden wohnen, eine förmliche Sehnsucht nach ihnen geltend macht, und wie oft haben nicht christliche Communen durch Gewährung glänzender Privilegien Juden heranzuziehen versucht. So sehen wir denn auch, daß Straßburg nicht länger als 20 Jahre ohne Juden sein konnte. Wahrscheinlich wendeten sich bald nach der Judenabschlachtung auswärtige Juden, denen das leergewordene Feld eine günstige Gelegenheit um Geld zu verdienen schien, nach Straßburg, und der Rath und die Bürgerschaft beeilten sich denn aus den erwähnten Gründen diese neuen Ankömmlinge freundschaftlichst in ihre Mitte aufzunehmen, wenn auch gegen den vor kurzem gefaßten Beschluß, inncrhalb 100 Jahren keinem Juden die Thorc der Stadt zu öffnen. Sechs Juden waren es die den Heroismus hatten, an der Stätte ihre Hütten zu bauen, an welcher man vor kurzem tausende ihrer unglücklichen Glaubensgenossen dem Flammentode preisgegeben. Es ist das der Muth der Verzweiflung, der diejenigen ergreift, die ringsum von Gefahren umgeben, zuletzt dahin gelangen, inmitten der Gefahren ruhig ihren Lebensweg zu gehen, in der Ncberzeugung, daß nur eine höhere Macht sie vor der Wuth ihrer Mitmenschen, die ihnen hier und dort Verderben droht, schützen kann. Die Gefahr drehte überall, was thats, ob sie ihr in Spcier und iti Worms oder in Straßburg ausgesetzt waren. Hinzu kam noch, daß in derselben Zeit auch in Speier und in andern Orten Jndenvcrfolgungen stattfanden, und gewiß eine Masse Juden heimathloö im Elend

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