Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 10 (Juli 1863)
- Article
- Thamus
- Date
- 1863-07-01
- Page
- 438 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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438 Einleitung;um Zesaias. Zesaias und seine Welt. Heilung und Ausscheidung der zu Schlacken gewordenen Herrscherge- Walt zu offenbaren, und durch die Entfernung der Königsmacht eine Wiederkehr von ״Richtern und Rathen" wie in den ursprünglichen jüdischen Zeiten zu verheißen, in welchen nur Geist und Charakter und die Hingebung an die jüdische Sache leitenden Einfluß auf die Gesammtheit verliehen. Was er verkündet ging an Ephraim rasch noch in Zesaias Tagen, an Juda erst nach anderthalb Jahrhunderten in Erfüllung. Die ״Trunkenen Ephraims", die sich brüsteten, sie hätten in Weiser ״Voraussicht" den verkündeten Zusammenstoß mit den Völkern in Berechnung gezogen und sich schon von vornherein ihnen asstmilirt, weßhalb sie die kommende Geißel nicht zu fürchten hätten, denen dagegen verkündet war, wie die Geißel käme würden sie zuerst ihr zur Beute fallen — erfuhren sehr bald die bittere Wahrheit dieser Verkündung. Die Blätter ihres in Selbsttäuschung um die Stirn gewundenen Nuhmeskranzes wurden rasch von der Gewalt der heranstürmenden Zeit verweht und Ephraims Söhne in unbekannte Fernen von der assyrischen Macht gefangen geführt. Juda stand länger. Das von Chiskisa begonnene Werk der Erstarkung der Gott treuen Minorität mußte erst noch von seinem Urenkel Joschija wieder aufgegriffen und in Chiskija's Geiste erneut und vollendet werden, ehe der Staat zusammenbrechen und auf dem Boden babylonischer Gefangenschaft diese gottestreue Minorität, als der eigentliche Kern des Gottesvolkes, fortan die immer siegreichere Leitung der jüdischen Gesammtangelegenheiten gewinnen konnte. Zesaias sieht das babylonische Exil, sieht auch die Wiederkehr durch Cyrus; beides aber, insbesondere aber die Sendung eines Cyrus hatte er vorzüglich als Vorbereitung und leuchtendes Wahrzeichen für die einstige völlige Zerstreuung durch die Nacht der Jahrhunderte und die endliche Erlösung zu verkünden. Er sieht ״sein Volk ins Exil wandern weil es sich der bessern Erkenntniß verschlossen", er sieht groß und klein dem Hunger und Durst erliegen, sieht all die Frucht und das Volksgewühl und all das Lärmen und die Fröhlichkeit ins Grab des Schweigens sinken, sieht den Menschenhochmuth und den Männerstolz und den Dünkel der Großen schwinden — und Gott da hoch im Gerichte, aber ebenso heilig in der Milde sich zeigen; denn er sicht mitten in dieser allgemeinen Zertrümmerung diejenigen ihre ״Weide" finden, die auch