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Jeschurun · 1863-05-01 · Heft 8 (Mai 1863) · p. 381

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
9 (1862-1863)
Issue
Heft 8 (Mai 1863)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1863-05-01
Page
381 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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381 Beamten ganz der Autonomie der Gemeinden anheimzugeben." Die Petitionscommisskon beantragt, über den zweiten Theil des Antrags zur Tagesordnung überzugehen, den ersten Theil desselben dagegen der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Dieser Antrag wird angenommen. Pest h. In unbegrctsiicher Weise soll Dr. Mcisel, Obcrrabbiner zu Pcsth unterm 21. Seht. 1662 den schriftlichen Bescheid ertheilt haben, daß kein Jude vor Gericht einen Eid zu leisten habe wenn nicht zuvor ein Rabbiner an ihn eine Ermahnung gerichtet und ihm nicht den Eid selbst nach den gesetzlichen Vorschriften abgenommen habe! — Bet Gelegenheit dieser Mittheilung berichtet l'Univ. Jsr. einen bemerkenswerthen Vorgang. Am 27. Febr. d. I. sollte Herr Israel Vernarb, Juwelier in Paris, welcher fast das Opfer eines bedeutenden Diebstahls geworden wäre, und nun vor die Assisen berufen war um über die Thatsache Aussage zu thun, den Eid leisten die Wahrheit sagen zu wollen. Anstatt sich vorschriftsmäßig bei dieser Eidesleistung dem Präsidenten zuzuwenden, wendete sich Herr Bernard zu der Jury. Darüber zur Rede gestellt erklärte der Zeuge, er sei Jude. Er wollte nicht sagen: ״Ich schwöre vor Gott", vor dem Angesichte deö Präsidenten, über dessen Haupt sich ein Kruzifix befinde, eine religiöse Gewissenhaftigkeit und Festigkeit bei einem so feierlichen Anlaß, die alle Anerkennung verdient. (Ein Mortarafall.) Aus Tarnvw berichtet man: ״In dem Dorfe Szalowo bei Gorltce, im Sandccer Kreise lebt ein jübischer Propinator, L. D., dessen 16jährige Tochter Leah seit betnahe einem Jahre Unterricht bei einem katholischen Lehrer nimmt, der zugleich rnanche kirchliche Funktionen in der Ortskapelle zu verrichten hat. Die Eltern dieses Mädchens, schlichte Dorflcute, setzen das vollste Vertrauen in die Person, des Lehrers und denken bet ihren mannichfachen Beschäftigungen nicht daran, den Unterricht zu über- Wachen. Eines Tages, als dieselben von einer Reise nach Hause kommen, kurze Zeit vor den Osterfcicrtagen, finden sie die Tochter, der sic die Leitung der Wirthschast während ihrer Abwesenheit anvertrant haben, nicht mehr, Kleider und Wäschkasten zum Theil geleert und vermissen außerdem manches Werthvolle. Sie allarmiren das ganze Dorf, schicken Boten nach allen Richtungen, und bringen endlich in Erfahrung, daß ihre Tochter im Nonnenkloster zu Alt- Sandec sich aufhält, wohin sie der Lehrer gebracht hat. Die Borsteherin verweigert die Herausgabe und gestattet dem Vater nur, getrennt durch eine Bretterwand mit seiner Tochter zu sprechen. Von dem Bischof von Tarnow, dessen edlem, humanem, wahrhaft christlichcm Charakter die Anhänger aller Confessioncn Gerechtigkeit widersahrcn lassen, erwartet man eine versöhnende Entscheidung."

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