Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 7 (April 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-04-01
- Page
- 321 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Von S... 321 Gatte ein böser herzloser Mensch gewesen, eS wäre ihr vielleicht möglich gewesen ihr Kind in ihrem Sinne zu erziehen, so aber verzweifelte sie fast daran. 8. ״Wie finden Sie meine Frau, Herr Doktor?״ sprach Arthur zu dem Arzt, der eben den gestern versprochenen Besuch abgestattet und nun von Arthur begleitet das Zimmer seiner Patientin verlassen hatte. ״Sie wünschen meine Ansicht über den Zustand Ihrer Frau Gemahlin zu kennen," entgegnete der Doktor, ״ich dachte so eben, mit Ihnen darüber zu reden." Aber er zögerte noch und sah den Andern mit einem eigenthümlichen Blicke an. ״Warum reden sie nicht, Doktor?" rief Arthur ängstlich. ״Sie halten ihn doch nicht für bedenklich?" ״Das Heißt," erwiederte der Arzt, ״ich würde ihn für durchaus unbedenklich erklären, wenn nur Frau von Lilienfeld in heiterer Gemüthsstimmung wäre." ״Ja, das ist eben das Fatale, daß meine Frau, seitdem sie kränkelt, fast alle» Zerstreuungen unzugänglich geworden ist." ״Sie mißverstehen mich, Herr von Lilienfeld, Zerstreuungen sind es gerade nicht, die ich Ihrer Frau Gemahlin empfehlen würde, aber —" ״Reden Sie frei, Herr Doktor, ich bitte Sie dringend darum, es gibt nichts auf der Welt was ich scheuen würde, wenn es metuer Frau zuträglich sein könnte." ״Um so inniger bedauere ich darüber mit Ihnen reden zu müssen, aber meine Pflicht als Arzt gebietet es mir. Wir Aerzte sind oft gar schlimm daran, die leidende Menschheit vertraut sich uns an, doch sollen wir zuweilen Uebel bekämpfen, die ganz außerhalb unscres Bereichs sich befinden, und daß dieses wenigstens zum Theil auch bei Frau von Lilienfeld der Fall ist, scheint mir außer allem Zweifel."