Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 6 (März 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-03-01
- Page
- 275 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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B-n S... 275 warst, Du könntest zögern, einen Mitmenschen, der bisher in Wahn und Jrrthum gelebt hat, zur Wahrheit und zum Heil zurückzuführen?" ״Aber —" ״Bedenke, wie fromm Esther gepriesen wird und sie hatte gar einen Heiden gehctrathet." ״Ja, weil sie dazu gezwungen ward, aber ich bin doch frei, ich ״Allerdings bist Du frei," sagte der Commerzienrath kalt, ״kannst thun und lassen, was Dir gefällt, und da Dir der sehnlichste Wunsch Deiner Eltern nichts gilt, —״ ״Papa," rief Arabella angstvoll, ״euer sehnlichster Wunsch wäre es, daß ich Herrn von Lilienfeld meine Hand reiche, ist das Dein Ernst?" ״Mein voller, heiliger Ernst. Uebrigens ist dieß das letzte Wort, das ich hierüber verliere," und ohne seine Tochter eines Blickes zu würdigen, verließ der Commerzienrath das Zimmer. ״Mein Gott! mein Gott!" flüsterte Arabella. ״Bella," sagte die Commerzienräthin, ״wie kannst Du das für Unrecht halten, was Deine Eltern Dir Vorschlägen. Oder hat vielleicht Deine Abneigung gegen eine Verbindung mit Herrn von Lilienfeld in etwas anderem seinen Grund, ist vielleicht Dein Herz —״ ״Mama," rief Arabella, ״ich schwöre Dir's bei allem, was heilig ist, mein Herz ist frei, und noch mehr, ich würde Arthur von Lilienfeld jedem Andern vorziehen, wenn er in der That Jude wäre." ״Und Du machst Dir kein Gewissen daraus, ihn zurückzuweisen, da er durch Dich es werden könnte?" In diesem Sinne dauerte die Unterhaltung noch mehrere Sinnden fort, ohne daß es der Mutter gelang, die Tochter zu überzeugen; aber auch die Commerzienräthin vermochte nicht einzusehen, warum dieselbe sich so hartnäckig weigere. Arabella bat endlich um Bedenkzeit, die ihr aber nur bis zum folgenden Morgen gewährt ward. ״Wenn Du nicht willst, Kind, so sag' es gleich; der Himmel hat uns in dem verflossenen Jahre manches Unglück ertragen gelehrt, so werden wir uns auch in das schwerste fügen müssen, in das, ein ungehorsames Kind zu haben." ״Das ertrage ich nicht!" rief Arabella voller Schmerz; ״macht mit mir, was ihr wollt, und Gott schütze mich!" Erschöpft sank