Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 6 (März 1863)
- Article
- Aus der Gegenwart
- Date
- 1863-03-01
- Page
- 261 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2932754-2932919-2932926-2947731--08116-2947762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
261 Von S... sie suchen?׳— Der Sonne strahlende, belebende Helle, das Gotteslicht isi es nicht. Greller, blendender Kerzenschimmer tst's, wie |bcr Taschenspieler ihn braucht um die Augen der Menge zu tau-!scheu." f ״Aber bester Herr Commerzienrath —" i Der Angeredcte hörte nicht. ״Irrlichter", fuhr er noch lebhafter!fort, ״Jrrlichte sind's, die auf Sumpfen tanzen, mit freundlich mil-!dem Scheine den unwissenden Wanderer zu locken. Aber wehe dem ׳Unglücklichen, der ihnen folgt; an trauter heimlicher Stätte wähnt jjci׳ fick, da verloschen sie plötzlich — grause Nacht umhüllt den Ar Einen und der Boden entweicht seinen Fußen —״ | Er hatte mit dem Eifer der Neberzcugnng gesprochen, und hieb pmt inne, wie ergriffen voi! den eigenen Worten, tj Eine kleine niedliche Dchmenband legte sich auf die Schulter ßdes Alten ״Der Wagen ist da, Väterchen, und Mama wünscht nach l Hause zu fahren!" f ״Ich komme, mein Kind, ich komme," entgegnete der Com- ' merzienrath aufstehend und lächelte seiner Tochter freundlich zu, ״aber willst denn du dich auch schon entfernen? der Ball hat ja l kaum begonnen?" , ״Arthur ist ja nicht hier, Papa," flüsterte Arabella erröthend. ״Ja so, an den hatte ich wirklich vergessen. Die Herren werden ent-!schuldigen, aber Damen darf man bekanntlich nicht warten lassen" — und die Zurückbleibenden höflich grüßend, reichte er seiner Tochter!!den Arm und beide entfernten sich. Doktor Müller und Banqnier ' Kohn verbeugten sich achtungsvoll. ״Ein wackerer Mann, dieser Commerzienrath Beer," begann!!Letzterer, ״wenn wir viele solche aufzuwcisen hätten, cs sähe ganz anders ans " i ״Anders, vielleicht — ob aber auch besser?" i ״Von Ihrem Standpunkt aus könnte dies allerdings 'eine Frage!sein", sagte Kohn, ״aber —" A! ״Verzeihen Sie," erwiedertc der Doktor, ״ich nehme, wie sie wis- Z sen, im Judenthum eigentlich gar keinen Standpunkt ein, habe mich!daher in Gedanken auf den Ihrigen versetzt, und von diesem aus meine Hrage gerichtet." 17 j.