Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 9 (1862-1863)
- Issue
- Heft 3 (Dezember 1862)
- Article
- Zum jüdischen Gemeindeleben
- Date
- 1862-12-01
- Page
- 116 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum jüdischen Gemeindeleben. 116 urkräftiges, keiner äußern künstlichen Stützen unb Hebel bedürfendes Leben in sich trägt; die nicht erst eine Basis zu suchen hat, sondern steht auf gegebener, unerschütterter Basis; die nicht erst Ziel und Aufgabe zu suchen hat, sondern ein gegebenes, hochaufgestelltes Ziel hat, dessen Lösung alle ihre Kräfte angehoren; kurz nur diejenige, die weiß was sie will, und will was sie soll, und für das, was sie soll und will, nur an den Gewissens-Ernst und die Willensfreudigkeit ihrer Genossen zu appelliren hat. Wir scheuen uns nicht zu gestehen, daß wir diese Bedingungen nur bet den gesetzestreuen Söhnen des alten, unverjährten Judenthums erblicken; sie allein wissen was sie sollen, und wollen was sie sollen; ihrer ist die Zukunft weil sie eine Vergangenheit und — wenn sie sich nur mit dem Bewußtsein ihrer Stellung und der durch dieselbe ihnen uuveräußerltch gegebenen Rechte und Pflichten klar und ganz durchdringen — eine Gegenwart haben. Dieses Bewußtsein in allen ihren Genoffen zu immer klarerer und entschiedener Stärke zu wecken, schon in der Gegenwart, unbekümmert um staatliche Gunst oder Ungunst, rein von innen heraus und kraft der von ihrer Aufgabe allen wahreu Trägern verliehenen Begeisterung und Willenssreudigkeit, so weit nur ihre Kraft reicht, in freiem Verein eben diese große Aufgabe zu lösen, das, meinen wir, dürfte die Anforderung sein, die die Slrömung der Zeit, wenn sie sie verständen, an sie alle machen würde z das ist aber glücklicherweise auch dieselbe Anforderung, die י— ganz abgesehen, von dem was im Schoß der Zukunft liegt, — in jeder Geg «wart die Pflicht eines Jeden wären, der den Namen Jude in Ernst und in Wahrheit trägt und nur dann seine Lebensaufgabe als gelöst betrachte» würde, wenn man einst, wenn er sein Auge schließt, von ihm sagen könnte: er war ein Jude! Die Weckung dieses Bewußtseins kann allein die Gebrechen der Gegenwart heilen, die Pflege dieses Bewußtseins allein uns in die bessere Zukunft hinüberleitcn. Diesem Bewußtsein gehört in erster Linie das Gesammtbekenntniß an, das uns Moses beim Scheiden in den Mund gelegt, und in diesem Bekenntnis! ist es vor Allem sofort der erste Gedanke, der, recht begriffen, wie kein anderer geeignet ist, Klarheit in die verworrene Anschauungsweise der Gegenwart zu bringen und jenes Bewußtscin zu schaffen, das, wie ein Granitfels auf sicherm Meeres-